Mehrjährige Süßgräser werden nach ihrem Bestockungstyp in drei Gruppen eingeteilt: lockere Horstgräser, rhizombildende Gräser und dichte Horstgräser. Bei den lockeren Horstgräsern befindet sich der Bestockungsknoten fast an der Bodenoberfläche. Die unterirdischen Triebe sind kurz; sie gehen vom Bestockungsknoten in einem spitzen Winkel zum Haupttrieb ab und bilden an der Bodenoberfläche einen lockeren Horst. Die Wurzeln sind büschelig.
Arten
Zu den lockeren Horstgräsern gehören: Sibirisches Sandrohr, Wiesen-Knäuelgras, Weizengras, Wiesenschwingel, Quecke ohne Rhizome, Regnerie, Glatthafer, Deutsches Weidelgras, Vielschnittiges Weidelgras, Wiesenlieschgras. Bei den rhizombildenden Gräsern liegt der Bestockungsknoten in einer Tiefe von 4–20 cm unter der Bodenoberfläche. Die unterirdischen Stängel (Rhizome) gehen von ihm im rechten Winkel ab. Jedes Rhizom bildet in einiger Entfernung vom Haupttrieb einen neuen Bestockungsknoten.
Zu den rhizombildenden Gräsern gehören: Gemeine Beckmannie, Rohrglanzgras, Grannenlose Trespe, Weißes Straußgras, Kriechquecke. Rotschwingel, Wiesenfuchsschwanz, Wiesenrispe, Sumpfrispe nehmen eine Zwischenstellung zwischen lockeren Horstgräsern und rhizombildenden Gräsern ein. Sie haben kurze Rhizome und sehr entwickelte büschelige Wurzeln.
Im Allgemeinen ist der Horsttyp bei ihnen der gleiche wie bei den lockeren Horstgräsern. Bei den dichten Horstgräsern (Furchenschwingel, Federgras) befindet sich der Bestockungsknoten an der Bodenoberfläche oder in 1–2 cm Tiefe; die aus ihm hervorgehenden Seitentriebe bilden einen sehr dichten Horst.
Nach der Höhe der Stängel und ihrer Belaubung werden die Süßgräser in Obergräser und Untergräser eingeteilt. Obergräser zeichnen sich durch hohe (100 cm und mehr), gut beblätterte Stängel aus. Sie überwiegen in Grasmischungen bei der Verbesserung von Naturwiesen und der Anlage von Kulturwiesen für die Heuernte.
Zu den Obergräsern gehören: Gemeine Beckmannie, Sibirisches Sandrohr, Weizengras, Wiesen-Knäuelgras, Sumpfrispe, Rohrglanzgras, Grannenlose Trespe, Aufrechte Trespe, Wiesenfuchsschwanz, Wiesenschwingel, Quecke ohne Rhizome, Glatthafer, Regnerie, Wiesenlieschgras.
Untergräser haben kürzere und weniger beblätterte Stängel. Sie entwickeln eine große Anzahl zarter grundständiger Triebe, die nach dem Abweiden schnell nachwachsen, was bei der Weidenutzung wertvoll ist. Zu den Untergräsern gehören: Wiesenrispe, Rotschwingel, Binsenhaargras, Deutsches Weidelgras.
Nach der Art der Triebentwicklung unterscheidet man winterannuelle und sommerannuelle mehrjährige Süßgräser. Erstere bilden im Aussaatjahr und in den Nutzungsjahren im zweiten Aufwuchs keine generativen Stängel. Dies sind Wiesenschwingel, Rotschwingel, Wiesen-Knäuelgras, Deutsches Weidelgras, Wiesenrispe, Weizengras. Letztere sind in der Lage, im Aussaatjahr und in den Nutzungsjahren auch im zweiten Aufwuchs generative Stängel zu bilden. Allerdings bilden bei ihnen, wie auch bei den winterannuellen Gräsern, die überwinterten Kurztriebe den Hauptsaatgutertrag.
Zu den Sommergetreiden gehören Rohrschwingel, Vielschnittweidelgras, rhizomlose Quecke, Sibirische Quecke, Sumpfrispengras, Faser-Quecke, Wiesenlieschgras. Die grannenlose Trespe, der Wiesenfuchsschwanz und das weiße Straußgras haben sowohl Eigenschaften von Winter- als auch von Sommergräsern.
Abhängig von der Zusammensetzung der Population und den Anbaubedingungen bilden sie im ersten Lebensjahr eine beträchtliche Anzahl generativer Stängel oder entwickeln sich als Winterformen. In den Nutzungsjahren können sich generative Stängel auch im zweiten Aufwuchs bilden.
Vom Blühtyp her sind die meisten mehrjährigen Gräserarten kreuzbestäubende anemophile Pflanzen, der Pollen wird durch den Wind übertragen. Dem Wiesenrispengras ist auch Agamospermie eigen. Bei vielen Gräserarten wird ein Teil der Samen durch Selbstbestäubung gebildet.
Mehrjährige Gräser (außer weißem Straußgras, Kammquecke, grannenloser Trespe und Quecke) werfen die Staubbeutel aus und stäuben reichlich in den frühen Morgenstunden bei 10–15 °C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 89–90 %. Das weiße Straußgras blüht in der ersten Tageshälfte, die Kammquecke und die grannenlose Trespe in der zweiten bei ausreichend hoher Temperatur und niedriger relativer Luftfeuchtigkeit. In Sibirien blüht die grannenlose Trespe frühmorgens und am Nachmittag.