Auf freiem Auslauf. Warum es gefährlich ist, Hühner frei laufen zu lassen

Im Dorf wird der freie Auslauf der Hühner als selbstverständliche Lösung angesehen. Die Tiere gewöhnen sich daran, selbst nach draußen zu gehen — und es scheint, dass es so sein sollte. Doch in der Praxis steckt hinter dieser «Natürlichkeit» eine Reihe von Problemen.

Was der freie Auslauf bringt

Die Vorteile dieses Ansatzes sind vorhanden und offensichtlich. Die Vögel bewegen sich mehr, fressen natürliches Futter wie in der Natur — der Stoffwechsel funktioniert besser. Das Ei wird fester, der Dotter wird intensiver durch die natürliche Nahrung — Gras und zahlreiche Sämereien, Insekten, Würmer. In der warmen Jahreszeit beschaffen sich die Hühner tatsächlich einen Teil des Futters selbst, und das bringt Einsparungen, besonders in einem kleinen Betrieb.

Aber hier liegt auch der erste Fehler, den fast alle machen: Sie beginnen zu glauben, dass sich das Geflügel «selbst ernähren» kann. Auf der Praxis ist der Auslauf nur eine Ergänzung zum Futter, kein Ersatz. Sobald das Getreide reduziert wird, sinkt sofort die Legeleistung, besonders in der zweiten Sommerhälfte, wenn das Grün grob wird.

Kontrolle und Verhalten der Vögel

Die zweite Seite — das Verhalten der Vögel. Ohne Routine geraten die Hühner schnell außer Kontrolle. Sie beginnen, im Gras zu legen, ein Teil der Eier geht einfach verloren. Deshalb werden die Hühner in einem normalen Schema morgens nicht freigelassen, bis sie gelegt haben. Diese einfache Regel löst die Hälfte der Probleme.

Freier Auslauf ohne Einschränkungen — das bedeutet einen direkten Konflikt mit dem Gemüsegarten. Hühner unterscheiden nicht zwischen «kann» und «darf nicht»: Junge Triebe werden zuerst vernichtet, Beete werden innerhalb von Stunden umgegraben. Daher gibt es immer nur eine praktikable Lösung — Auslauf ist wünschenswert, aber streng kontrolliert! Das kann ein separates Grundstück sein, ein Garten ohne niedrige Pflanzen, die die Hühner beschädigen könnten (die gleichen Erdbeeren graben sie buchstäblich aus, indem sie den Mulch im Beet auf der Suche nach Würmern durchwühlen), ein mit Netz eingezäunter Bereich, aber keine vollständige Freiheit, dahin zu gehen, wo sie wollen.

Parasiten als ständiger Faktor

Auf dem Boden kommt das Huhn ständig mit Dingen in Kontakt, die es in geschlossener Haltung nicht gibt: mit Erde, die Parasiteneier enthält, mit Kot, mit Wildvögeln, mit infizierten Wirbellosen. Dabei bekommt es unweigerlich Parasiten, und zwar nicht einmalig, sondern ständig.

Helminthen — sind keine Ausnahme, sondern die Norm für Freilandgeflügel. Askariden (bei Hühnern eine eigene Art), Heterakis (Würmer, die im Blinddarm von Haus- und Wildvögeln parasitieren) und Kapillarien (einer der gefährlichsten Helminthen bei Hausgeflügel) gelangen über Futter und Wasser in den Organismus. Äußerlich kann das Huhn normal aussehen, aber allmählich sinkt die Produktivität, die Futterverwertung verschlechtert sich, der Vogel wird weniger aktiv. Bei einer Anhäufung von Parasiten wird der Effekt sichtbar: Das Ei wird kleiner, das Wachstum junger Hühner verlangsamt sich, die Immunität sinkt.

Ein ebenso typisches Problem — ist Kokzidiose (eine Infektion mit einzelligen Darmparasiten). Besonders gefährlich ist sie für Jungtiere, aber auch erwachsenes Geflügel auf feuchtem Auslauf kann sich anstecken. Der Erreger entwickelt sich in einer verschmutzten feuchten Umgebung, und wenn der Bereich nicht abtrocknet, steigt das Risiko um ein Vielfaches. Dabei kann auf den ersten Blick alles gut aussehen, bis das Geflügel zu verenden beginnt.

Besonders zu beachten sind auch die Ektoparasiten. Federlinge und Milben gelangen vor allem durch Kontakt mit Nachbar- oder Wildvögeln in den Bestand. Auf dem Auslauf ist dieser Kontakt unvermeidbar. Wenn die Hühner keine Möglichkeit haben, in Asche oder Sand zu «baden», vermehren sich die Parasiten schnell, und das Geflügel verliert aufgrund des ständigen Stresses an Produktivität.

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Alltägliche Risiken

Ein typisches Bild auf dem Land — das Huhn pickt alles, was ihm vor den Schnabel kommt, einschließlich Kot. Man sieht nicht selten, wie es sogar in Hundekot herumstochert. In solchen Fällen stellt sich die Frage: Kann sich das Huhn mit diesen Parasiten infizieren? Wie die Praxis zeigt, entwickeln sich die meisten Hundewürmer im Körper des Huhns nicht, aber das macht die Situation nicht sicher. Erstens kann es als Überträger fungieren, zweitens, wenn es sich um Vogelkot handelt, infiziert es sich bereits mit seinen eigenen Parasiten.

Daraus ergibt sich auch eine weitere Frage — die Sicherheit der Eier. Viele glauben, dass ein Landei per Definition sauber und unbedenklich sei. Doch in der Praxis ist das nicht so eindeutig. Das Huhn auf dem Auslauf hat Kontakt mit Erde und Kot, Helminthen und Bakterien, einschließlich Salmonellen, gelangen auf die Eischale. Dabei kann der Vogel selbst völlig gesund sein. Daher hängt das Risiko weniger mit dem Eiinhalt zusammen, sondern vielmehr mit seiner oberflächlichen mechanischen Verschmutzung (an den Füßen, Federn) oder beim Durchgang durch die Kloake (dies ist ein gemeinsamer Weg für Ei und Kot, bei dem Parasiten und Bakterien auf die Schale gelangen — zum Beispiel Salmonellen).

Freilandhaltung ist nicht gleichbedeutend mit «natürlich und daher sicher». Es ist ein System, bei dem Vor- und Nachteile nebeneinanderhergehen. Bei richtiger Organisation bringt die Freilandhaltung gute Ergebnisse, bei fehlender Kontrolle häufen sich die Probleme bereits in der ersten Saison.

Wie organisieren Sie die Freilandhaltung?

Das Erste, womit man beginnt, – sind die Parasiten. Ohne Prophylaxe treten sie bei allen auf, und hier sollte man sich keinen Illusionen hingeben. Die Entwurmung des Geflügels muss regelmäßig erfolgen, auch wenn es gesund aussieht, – mehrmals pro Saison: im Frühjahr, wenn das Geflügel auf die aktive Freilandhaltung geht, und dann noch ein- bis zweimal im Sommer, je nach Bedingungen. Ist der Standort feucht oder besteht Kontakt zu anderem Geflügel, werden die Medikamente häufiger verabreicht. Dabei ist weniger das Mittel entscheidend als vielmehr die Systematik.

Der zweite Punkt – die Unterbrechung des Infektionszyklus. Wenn das Huhn ständig an ein und derselben Stelle läuft, steigt die Konzentration der Parasiten im Boden. Daher ist die effektivste Methode der Standortwechsel. Schon ein einfacher Wechsel der Auslaufflächen bringt Ergebnisse. Dort, wo das Geflügel nicht läuft, reinigt sich der Boden teilweise durch Austrocknung und UV-Strahlung.

Gesondert zu erwähnen sind die Aschebäder. Dies ist keine «Zugabe», sondern ein obligatorisches Element. Die Mischung aus Asche und Sand ermöglicht es dem Geflügel, sich selbst von äußeren Parasiten zu befreien.

Eine weitere Sache, die oft unterschätzt wird, – das Wasser. Auf dem Auslauf kann das Geflügel überall trinken: aus Pfützen, Gräben, stehenden Behältern. Das ist ein direkter Weg zur Ansteckung. Daher umfasst ein ordentliches System immer sauberes Wasser in Reichweite – und idealerweise eine einzige Quelle, an die sich das Geflügel gewöhnt.

Den Kontakt mit Wildvögeln vollständig auszuschließen ist unmöglich, aber man kann ihn reduzieren. Offene Futtertröge, verstreutes Getreide, Zugang zu Futterlagern – all das lockt Tauben und Spatzen an, und mit ihnen kommen Krankheiten und Parasiten. Je weniger Futter offen herumliegt, desto weniger unerwünschte «Gäste» gibt es.

Ein eigenes Thema – Nagetiere. Auf dem Land gibt es sie immer, und sie sind oft Überträger von Infektionen. Wenn es in der Nähe des Hühnerstalls Höhlen gibt, wenn Futter offen gelagert wird, wenn Zugang zu Abfällen besteht – dann steigt das Risiko um ein Vielfaches.

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