Züchtung mehrjähriger Gräser

Künstliche Auslese wird bei der Züchtung mehrjähriger Gräser sowohl bei der Schaffung neuer Sorten als auch in der Primärsaatgutvermehrung zur Erhaltung und Verbesserung von zugelassenen Sorten eingesetzt.

Erstens wird sie direkt zur Schaffung von Sorten verwendet; dabei werden Biotypen oder einzelne Pflanzen aus einer gesamten Population ausgewählt, die den Züchtungsaufgaben entsprechen.

Zweitens ist die Auslese bei der Schaffung von Sorten ein notwendiges Glied des Züchtungsprozesses, unabhängig von der Arbeitsmethode – Hybridisierung, Mutagenese, Polyploidie, Polycross usw. In diesem Fall dient die Auslese einerseits dazu, Stammformen aus dem mit der einen oder anderen Methode gewonnenen Ausgangsmaterial herauszulösen. Andererseits wird sie in allen folgenden Züchtungsphasen verwendet – bei der Formierung und Weiterentwicklung der Sorte.

In allen Fällen der Anwendung von Auslese – je nach Züchtungsaufgaben und Anzahl der Pflanzen, die diesen Aufgaben in der Ausgangsprobe entsprechen – wird die Auslese auf folgende Weisen durchgeführt: ökotypische Auslese ganzer Populationen; negative Massenauslese; positive Massenauslese; biotypische Gruppenauslese; individuell-familiäre Auslese.

Ökotypische Auslese. Dabei werden fertige Populationssorten erkannt, die durch natürliche Auslese unter bestimmten ökologischen Bedingungen entstanden sind. Sie werden entweder zur Verbesserung natürlicher Wiesen verwendet oder dienen als Ausgangsmaterial für die Fortsetzung der Züchtung mit künstlicher Auslese oder anderen Methoden. Die Bewertung für die Auslese aus einer Reihe von Populationen erfolgt in der Sortenprüfung bei üblicher Aussaatmethode.

Die negative Massenauslese wird in einem speziellen Zuchtgarten mit individueller Pflanzenstellung durchgeführt. Dazu werden aus dem Grasbestand vor der Blüte alle aussortierten Pflanzen entfernt – durch Ausmähen oder Ausgraben. Von den verbleibenden ausgewählten Pflanzen werden Samen bei freier Fremdbestäubung gewonnen. Die Samen werden von allen Pflanzen zusammen geerntet.

Diese Auslese wird hauptsächlich in der Primärsaatgutvermehrung eingesetzt, um die Sorte von Beimischungen, kranken und minderwertigen Pflanzen zu reinigen. Gelegentlich wird sie in üblichen breitreihen Samenbeständen angewendet. Die negative Auslese begleitet häufig die ökotypische Auslese.

Siehe auch:
Aussaat der Luzerne

Die positive Massenauslese wird in einem speziellen Zuchtgarten durchgeführt. Sie wird bei der Schaffung neuer Sorten angewendet, wobei eine direkte Auswahl von Pflanzen erfolgt, die hinsichtlich der geforderten Merkmale und Eigenschaften am besten sind. Die ausgewählten Pflanzen werden dabei kloniert oder zur Samengewinnung geerntet. Im letzteren Fall werden die ausgewählten Pflanzen isoliert oder die nicht ausgewählten Pflanzen vor der Blüte ausgemäht.

Die Klone oder Samen aller ausgewählten Pflanzen werden auf einer isolierten Fläche vereinigt. Bei fremdbestäubenden Pflanzen wird in der Regel wiederholte Massenauslese angewendet.

Gruppenweise – biotypische Selektion erfolgt anhand von Gruppen gleichartiger Pflanzen, Biotypen. Jede Gruppe wird kloniert oder getrennt zur Samengewinnung geerntet. Bei der Ernte zur Samengewinnung werden die Gruppen oder Biotypen voneinander isoliert, um eine Fremdbestäubung zu verhindern. Innerhalb jeder Gruppe können sich die Pflanzen frei kreuzen, und die Samen werden gemeinsam geerntet. Bei der Züchtung von Fremdbefruchtern ist diese Art der Individualauswahl als familien-gruppenweise Selektion bekannt.

Die individuelle Familienselektion wird hauptsächlich durchgeführt, um Stammpflanzen mit bestimmten wertvollen Merkmalen zu identifizieren. In diesem Fall wird jede ausgewählte Pflanze isoliert oder unter Isolationsbedingungen kloniert. Bei der individuellen Isolierung der Blütenstände wird eine bessere Fremdbestäubung innerhalb des Isolators gewährleistet. Die Nachkommenschaft jeder Pflanze oder jedes Klons wird getrennt in Familien ausgesät. Im weiteren Verlauf erfolgt eine Selektion, bei der die besten Familien ausgewählt werden.

Innerhalb der ausgewählten Familien wird eine Massenselektion (negativ oder positiv) oder eine Individualselektion mit wiederholter Prüfung der Nachkommenschaft jeder ausgewählten Pflanze durchgeführt. Eine solche Selektion ist bei der Erstellung von Donorlinien für ein bestimmtes wertvolles Merkmal sinnvoll.

Alle diese Methoden werden angewendet, damit die Futtergräser die höchsten Erträge liefern. Die Anwendung der einen oder anderen Selektionsmethode bestimmt die Anzahl der Pflanzen in der Ausgangsprobe, die den Züchtungszielen entsprechen.

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