Mit dem Einzug der warmen Maitage entsteht oft der natürliche Wunsch, junge Triebe mit zusätzlichem Gießen zu unterstützen. Allerdings fügt übermäßige Feuchtigkeit in dieser Zeit den Pflanzen häufiger Schaden zu, als dass sie ihnen hilft.
Inhaltsverzeichnis:
Wann Gießen notwendig ist
Die Hauptregel im Mai — auf das Gießen «auf Autopilot» zu verzichten und sich ausschließlich am tatsächlichen Bedarf der Pflanzen zu orientieren. Dieser wird nicht anhand des äußeren Erscheinungsbilds einer trockenen Kruste auf dem Boden bestimmt, sondern anhand des Zustands des Bodens in der Wurzelzone und der Reaktion der Pflanzen. Eine getrocknete obere Schicht allein deutet noch nicht auf Wassermangel hin.
Gießen ist in einer Reihe konkreter Situationen gerechtfertigt. In erster Linie — bei der Pflanzung und Umpflanzung: Das Vorhandensein von Feuchtigkeit in der Wurzelzone ermöglicht es den Pflanzen, schneller anzuwurzeln und Austrocknung zu vermeiden. Dies ist besonders kritisch für Tomaten, Paprika, Kohl und Gurken.
Die zweite Situation — leichte Böden. Sand- und lehmige Sandböden verlieren schnell Feuchtigkeit, daher können die Pflanzen darauf ohne zusätzliche Bewässerung in der Entwicklung merklich zurückbleiben.
Der dritte Fall — beständiges trockenes Wetter ohne Niederschlag. Wenn es in 5–7 Tagen nicht geregnet hat und die Temperatur hoch bleibt, beginnen die Feuchtigkeitsreserven in der oberen Schicht zu erschöpfen.
Auch ist Gießen sofort nach dem Auspflanzen von Setzlingen — notwendig, um Lufteinschlüsse im Boden zu beseitigen und die noch nicht bewurzelten Pflanzen mit Wasser zu versorgen.
In allen anderen Situationen sollte man nicht mit dem Gießen eilen.
Wann Gießen schadet
Übermäßige Bewässerung im Mai — eine der häufigsten Ursachen für schwaches Pflanzenwachstum. Bei Wasserüberschuss bildet sich das Wurzelsystem oberflächlich, das Risiko von Fäulnis steigt und die Pflanzen selbst werden weniger stressresistent.
Darüber hinaus erzeugt regelmäßiges Gießen «nach Plan» eine Abhängigkeit: Die Wurzeln hören auf, in tiefere Schichten vorzudringen, und funktionieren nur noch im oberen Horizont, der schneller austrocknet. Infolgedessen werden die Pflanzen an häufiges Gießen gebunden und vertragen selbst kurze Trockenperioden schlechter.
Wie die Bodenfeuchtigkeit bestimmt wird
Eine der zuverlässigsten Methoden — die einfache Handprobe. Wenn der Boden in einer Tiefe von 5–7 cm seine Form behält und leicht feucht bleibt, besteht keine Notwendigkeit zu gießen.
Eine trockene Oberfläche, besonders nach dem Lockern, wenn die obere Schicht gezielt aufgebrochen wird, um die Verdunstung zu verringern, ist kein Anzeichen für Feuchtigkeitsmangel. Maßgeblich ist der Zustand der Wurzelzone.
Die praktische Erfahrung zeigt: Zu wenig gießen ist weniger riskant als zu viel gießen.
Bewässerungstechnik
Wenn der Boden tatsächlich ausgetrocknet ist, besteht die Aufgabe des Gießens nicht nur darin, die Oberfläche zu befeuchten, sondern die Wurzelschicht mit Feuchtigkeit zu sättigen.
Das Gießen erfolgt selten, aber ausreichend reichlich, damit das Wasser tief eindringt. Es sollte direkt an die Wurzel gegossen werden, um ein Ausspülen des Bodens zu vermeiden.
Häufiges oberflächliches Gießen, das manchmal als 'Erfrischung' empfunden wird, schadet in der Praxis nur: Es fördert die Entwicklung oberflächennaher Wurzeln und schafft günstige Bedingungen für Pilzkrankheiten.
Zusätzlich fördert die oberflächliche Befeuchtung das aktive Wachstum von Unkraut und führt nach dem Trocknen zur Bodenverdichtung.
Lockern und Mulchen
Das Lockern, selbst das einfachste – mit einem Rechen – zerbricht die Bodenkruste und verringert die Verdunstung von Feuchtigkeit, sodass sie im Boden erhalten bleibt. Das Mulchen verstärkt diesen Effekt.
Eine Schicht organischen Materials hält die Feuchtigkeit und gleicht Temperaturschwankungen aus, was besonders bei unbeständigem Wetter Anfang Mai wichtig ist. Dabei muss der Mulch den Boden vollständig bedecken: Eine Schicht von weniger als 3–4 cm funktioniert praktisch nicht.
Die optimale Dicke hängt vom Material ab: für frisch gemähtes Gras – 5–8 cm, für Stroh – 7–10 cm, für verrottete Sägespäne – 5–7 cm, für Kompost – 4–6 cm. Wenn in der Nähe feuchte Stellen vorhanden sind, ist es praktisch, Schilf oder Rohrkolben zu verwenden und sie in Büscheln auszulegen – diese Methode reduziert die Verdunstung effektiv und unterdrückt gleichzeitig Unkraut.
Bewässerungsnormen
Selbst wenn eine Bewässerung erforderlich ist, ist es wichtig, die Bedürfnisse der jeweiligen Pflanzen zu berücksichtigen und nicht 'nach Augenmaß' vorzugehen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die angegebenen Mengen für eine einmalige Bewässerung gelten. Entscheidend ist nicht die Häufigkeit, sondern die Durchfeuchtungstiefe: Der Boden muss bis zur Tiefe der Wurzeln befeuchtet werden, nicht nur von oben benetzt werden.