Antwortet Agronom Pawel Laguta:
Die Süßkartoffel wird gemeinhin als «süße Kartoffel» bezeichnet. Und möglicherweise ist das der Grund, warum dieses schmackhafte, nahrhafte und wirtschaftlich vorteilhafte Gemüse immer noch ein seltener Gast auf unseren Tellern ist. Wir erzählen mehr über das wahre Superfood mit einer reichen Geschichte und einem schwierigen Schicksal. Die Süßkartoffel ist eine wahre Fundgrube an nützlichen Elementen. Sie ist reich an den Vitaminen A, C, E, K, B-Vitaminen und Mineralstoffen wie Kalium, Natrium, Phosphor, Kalzium, Magnesium, Eisen und Zink und versorgt den Körper nicht nur mit Vitaminen und Mineralstoffen, sondern auch mit Proteinen, Kohlenhydraten und Ballaststoffen. Erstmals erschien sie in Russland im 19. Jahrhundert, und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde sie im Kaukasus und auf der Krim angebaut. Aber eine weite Verbreitung fand sie nicht. Möglicherweise aus einem überraschenden Grund: Die Süßkartoffel wird ständig als eine Variante der Kartoffel angesehen, und beim Probieren ist man enttäuscht — der Geschmack ist anders, die Struktur ist anders, die Zubereitung ist anders.
Aber die Süßkartoffel mit der Kartoffel zu vergleichen, ist so, als würde man die Rote Bete eine misslungene Karotte nennen.
Inhaltsverzeichnis:
Großer Unterschied
Aus botanischer Sicht hat die Süßkartoffel nichts mit der Kartoffel gemeinsam. Sie gehört zur Familie der Windengewächse und ist als Knollenwinde (Ipomoea batatas) bekannt. Ihre unterirdischen Organe sind keine Knollenstolonen wie bei der Kartoffel, sondern verdickte Wurzelknollen.
Ja, diese Wurzelknollen haben Knospen, aus denen sich Triebe entwickeln — genau das führt Anfänger in die Irre. Aber damit endet die Ähnlichkeit.
Geschmacksvielfalt
Es gibt Sorten mit neutralem, nicht süßem, fast kartoffelähnlichem Geschmack, aber auch nussige, kastanienartige, kürbisartige und sogar solche mit fruchtigen Noten.
Die Farbe des Fruchtfleisches variiert ebenfalls stark: weiß, gelb, orange, rosa, bordeaux, violett und fast schwarz. Als eine der ertragreichsten Sorten gilt Shu-Bai-100 (auch bekannt als Pobeda-100). Aber aufgrund ihrer übermäßigen Süße mag sie nicht jeder. Nachdem viele Liebhaber mehrere Dutzend beliebter Süßkartoffelsorten geschmacklich verglichen haben, bevorzugen sie zunehmend die saftigen orangen Süßkartoffeln — wie Juno und Celentano. Geschmacklich erinnern sie an ein fleischiges Kürbis mit kartoffelartigen Noten und leichten fruchtigen Nuancen.
Pflanzmaterial
Um Pflanzmaterial zu gewinnen, werden die Knollen vorgekeimt und die entstandenen Triebe einfach abgeschnitten und ins Wasser gestellt. Bereits nach 4–5 Tagen bilden sie Wurzeln, und bei einer Temperatur von 26—28°C sogar schon am dritten Tag. Danach sind die Stecklinge bereit für die Auspflanzung.
Dekorative Formen der Süßkartoffel bilden oft keine vollwertigen Knollen und sind Chimären — sie können nur durch Stecklinge erhalten werden, da bei der Vermehrung durch Knollen die dekorative Wirkung verloren geht.
Persönlich halte ich einige Süßkartoffelsorten einfach als mehrjährige Pflanzen in Töpfen und schneide im Frühjahr Stecklinge davon. Die Mutterpflanze wächst dann wie eine normale Zimmerpflanze mehrere Jahre weiter oder wird ebenfalls im Frühjahr ins Beet gesetzt.
Anbau in der Mittelzone
Unter den Bedingungen der zentralen Regionen wird Süßkartoffel ausschließlich über Setzlinge angebaut.
Dies ermöglicht kräftige Pflanzen bei minimaler Knollenanzahl.
Vorbereitung der Setzlinge
- Beginn der Arbeiten: Ende Februar — Anfang März.
- Erdmischung in einer Schicht von 10–15 cm, darüber 5–6 cm Torf oder gewaschener Sand.
- Die Knollen werden in einer 1%igen Lösung von Kupfersulfat desinfiziert (5 Minuten).
- Einsetztiefe — 3–4 cm.
- Bewässerung — nach Bedarf beim Antrocknen, in der Regel 2 Mal pro Woche.
Die Keime erscheinen nach 27–30 Tagen, und sie können bei einer Höhe von 7–20 cm abgeschnitten werden, wobei über dem Boden ein Stiel mit 1–2 Knospen und Blättchen bleibt.
Die bewurzelten Stecklinge ziehe ich dann in einzelnen Bechern weiter.
Auspflanzen und Pflege
Die Stecklinge der Süßkartoffel pflanze ich erst ins Freiland, wenn die Frostgefahr vorüber ist. In der Regel ab Mai (je nach Wetter). Unter Folie kann man 10–20 Tage früher pflanzen.
Das Auspflanzen erfolgt nach Schema 50×50 oder 70×70 cm, wobei 3–5 Internodien eingegraben werden. Süßkartoffel mag leichte, erwärmte Böden (nicht unter 15°C) und verträgt keine schweren, dichten Böden. Je lockerer der Boden, desto größer die Knollen und desto höher der Ertrag, daher ist es sinnvoll, Süßkartoffeln auf erhöhten Beeten anzubauen.
Süßkartoffel ist lichtliebend, verträgt Schatten schlecht und breitet sich aktiv am Boden aus, wenn man die Ranken nicht in die gewünschte Richtung lenkt.
Regelmäßig gießen, aber ohne Staunässe; 20 Tage vor der Ernte wird das Gießen eingestellt.
Düngung und Ertrag
Stickstoffdünger wird während der aktiven Wachstumsphase der grünen Masse ausgebracht — etwa 0,3 kg pro 10 m². Auf fruchtbarem Boden reicht dies für den gesamten Entwicklungszyklus (140–170 Tage). Der Ertrag kann einen Eimer Knollen pro Pflanze erreichen.
Ernte und Lagerung
Süßkartoffeln werden bei trockenem, warmem Wetter vor dem Einsetzen von Frost geerntet. Die Schale darf nicht beschädigt werden — das reduziert die Lagerfähigkeit erheblich. Wenn man sie jedoch an einem trockenen Ort lagert, heilen die Wunden leicht.
Da Süßkartoffel oft mit Kartoffeln verglichen wird, werden sie häufig zusammen gelagert. Das ist einer der häufigsten Fehler! Bereits bei +10°C beginnt die Süßkartoffel als wahre tropische Kultur (ihre Heimat ist Südamerika) unter Kältestress zu leiden und verdirbt schnell. Für sie ist das fast eine Frostung.
Die richtige Lagerung sieht anders aus: trockener, warmer Raum, Temperatur 23—25°C, gute Belüftung. Der ideale Ort — ein gewöhnlicher Karton im Wohnzimmer. Unter dem Bett fühlt sich die Süßkartoffel viel wohler als im Keller.
Nach der Ernte darf die Süßkartoffel nicht einfach gewaschen und eingelagert werden. Sie muss unbedingt eine Woche lang bei hohen Temperaturen von 30—35°C nachreifen. Während des Nachreifens wird ein Teil der Stärke in Zucker umgewandelt, es entsteht ein Aroma, und der Geschmack wird tiefer und intensiver. Selbst bei Lagerung bei 25°C setzt sich dieser Prozess fort, sodass die Süßkartoffel im Januar oft besser schmeckt als direkt nach der Ernte.
Zubereitungsmethoden
Süßkartoffeln kann man braten, schmoren, in Suppen, Eintöpfe und Aufläufe geben. Die einfachste Methode ist das Backen ganzer Knollen bei etwa 180°C für eine Stunde.
Man kann sie als Beilage zu Fleisch mit Knoblauchsaucen, Kräutern, Mayonnaise oder Ketchup servieren. Oder man kann sie als Dessert verwenden — mit Sahne, Sauerrahm, Honig. Aus Süßkartoffeln kocht man Sirup, Marmelade, macht Püree und Pastille. Kartoffeln sind dafür wirklich nicht geeignet!
Die Süßkartoffel ist keine Exotik und keine «süße Kartoffel», sondern eine eigenständige, geschmacklich und in den Möglichkeiten reiche Kulturpflanze. Man muss nur aufhören, sie mit Kartoffeln zu vergleichen — und sie entfaltet sich vollständig.