Anzucht von Weinrebensetzlingen

Weinrebensetzlinge werden aus Stecklingen gezogen, die im Herbst aus gut ausgereiften, unbeschädigten einjährigen Trieben gewonnen werden. Je nach Anbaumethode und gewünschter Pflanztiefe beträgt die Länge der Stecklinge 50–100 Zentimeter. Bis zur Pflanzung werden sie in Gräben oder Lagerhäusern in Sand aufbewahrt, damit sie nicht austrocknen und zum Pflanzzeitpunkt frisch sind.

In der Produktion werden in der Regel eigenwurzelige und veredelte Setzlinge verwendet.

Bei der Anzucht eigenwurzeliger Setzlinge werden die vorbereiteten Stecklinge mit einem frischen, schrägen Schnitt im Frühjahr in die Anzuchtschule in einem Abstand von 10 cm in der Reihe und 1 m zwischen den Reihen gepflanzt. Sie werden mit speziellen Pflanzmaschinen oder von Hand in Rillen gesetzt. Vor dem Pflanzen ist eine Vorbehandlung der Stecklinge zur Förderung der Kallus- und Wurzelbildung am unteren Ende empfehlenswert.

Setzlinge seltener Sorten können aus kurzen Stecklingen (1–3 Augen) gezogen werden. Kräftig entwickelte Setzlinge erhält man durch Anzucht an drahtringelten Absenkern. In der mehrjährigen Anzuchtschule werden von den Mutterstöcken jährlich einjährige Triebe, die an der Basis mit weichem Draht geringelt sind (4–5 Windungen), in 10–15 cm tiefe Rillen gelegt.

Siehe auch:
Weinanbau in Sibirien

Für die Anzucht veredelter Weinrebensetzlinge (reblaus- und frostresistent) wird eine Unterlage verwendet. Die veredelten Stecklinge werden zur Kallusbildung in Kisten mit feuchten Sägespänen oder in Frühbeeten bei 22–26 °C Wärme stratifiziert. Nach der Verwachsung von Edelreis und Unterlage werden die veredelten Stecklinge, die einige Tage lang eine Temperaturabhärtung erhalten haben, in die Anzuchtschule gepflanzt und für 2–3 Wochen angehäufelt.

Die Pflege umfasst Bewässerung, Düngung, Unkraut- und Krankheitsbekämpfung sowie Bodenlockerung in den Reihenzwischenräumen. Bei veredelten Setzlingen werden außerdem die Triebe an der Unterlage und die Wurzeln am Edelreis entfernt. Im Herbst werden die Setzlinge ausgegraben, sortiert und in der Regel bis zum Frühjahr – ebenso wie die Stecklinge – in Gräben oder im Lager eingeschlagen.

Ein Standard-Setzling sollte mindestens 5–8 gut entwickelte Wurzeln und einen Zuwachs vor dem Rückschnitt von 60–70 Zentimetern aufweisen. Für die Pflanzung empfiehlt es sich, zweijährige Setzlinge zu verwenden.

Den größten Wert haben Weinrebensetzlinge, die von selektierten Sträuchern stammen, d. h. von Sträuchern, die während der Vegetationsperiode nach Ertrag und anderen wertvollen Merkmalen ausgewählt wurden.

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