Arten der Stecklingsveredlung

Im Gegensatz zur Augenveredlung werden hier Stecklinge mit einer oder mehreren Knospen auf die Unterlage veredelt. Wenn die zu veredelnden Komponenten (Steckling und Unterlage) mit dem Holz in Berührung kommen, nennt man diese Methode Holzveredlung. Wenn der Steckling die Unterlage nur durch den Rindeneinschnitt berührt, nennt man die Methode Rindenveredlung.

Holzveredlung

Man kann sie am Stammende oder an der Seite der Unterlage durchführen.

Veredlung am Stammende der Unterlage

Kopulation — die wichtigste Methode der Veredlung von Zierpflanzen. Sie wird im Winter und Frühling sowohl im Freiland als auch im Innenraum durchgeführt. Darüber hinaus wird die Kopulation oft während der Vegetationsperiode durchgeführt (z. B. bei Schneeball). Die Vorteile der Kopulation sind die einfache Ausführung und das gute Zusammenwachsen der Komponenten.

Veredlung mittels Geißfuß (Keil, Triangulation). Sie wird normalerweise angewendet, wenn die Unterlage dicker ist als der zu veredelnde Steckling, sowie ergänzend zur Kopulation. Besonders sinnvoll ist ihre Anwendung bei der Veredlung von Pflanzen, die in Gefäßen (Töpfen) gezogen werden, um beim Schneiden die Pflanze nicht aus der Erde zu ziehen.

Spaltveredlung. Das Stammende der Unterlage wird entlang der Achse mehrere Zentimeter tief gespalten. Der untere Teil des Stecklings wird beidseitig keilförmig abgeschnitten und in den Spalt eingefügt. Der Nachteil dieser Methode ist, dass bei tiefem Spalten der Unterlage, insbesondere bei Laubgehölzen, die Wunde schlecht verheilt und Erreger von Pilzkrankheiten eindringen können. Diese Methode wird recht häufig für Unterlagen mit weichem Holz angewendet (Clematis, Glyzinie).

Seitenspaltveredlung. Mit der Messerspitze wird die Unterlage entlang ihrer Achse mehrere Zentimeter tief gespalten. Allerdings wird der Spalt nicht in der Mitte der Unterlage, sondern direkt unter der Rinde gesetzt. Am Steckling werden zwei Schnitte ausgeführt, wodurch ein schmaler langer Keil entsteht. Diese Methode ist anwendbar, wenn die Stecklinge sehr dünn und die Unterlage dagegen sehr dick ist. Am häufigsten wird sie bei Tischveredlungen angewendet.

Anplattung mit Dornen. Sie ist nur bei maschineller Veredlung anwendbar. Am Steckling und an der Unterlage werden gleich lange Ausschnitte gemacht, und dann werden beide Komponenten verbunden. Diese Veredlungsmethode ist für einige Holzarten mit weichem Holz anwendbar, aber praktische Bedeutung hat sie nur für Weinreben und Rosen.

Siehe auch:
Vermehrung durch Stecklinge unter Folie

Seitenveredlung der Unterlage

Beim Anplatten. Nachdem ein langer schräger Schnitt am Edelreis gemacht und seine Spitze entfernt wurde, wird an der Unterlage ein gleich langer und in der Breite dem Durchmesser des zu veredelnden Zweigs entsprechender Einschnitt parallel zu den Leitgeweben vorgenommen. Von diesem Einschnitt, dessen Tiefe bis zu 1/4 der Dicke der Unterlage beträgt, wird der eingeschnittene Teil der Rinde mit dem Holz entfernt, wodurch ein freier Platz zum Anlegen des Edelreises entsteht. Diese Methode wird hauptsächlich bei Tischveredelungen angewendet, besonders gut eignet sie sich für Nadelgehölze, Ahorn und Rhododendron.

Beim Seitenschlitz. An der Unterlage wird ein leicht schräg zur Triebachse verlaufender, nicht tiefer Einschnitt gemacht, in den ein Edelreis eingefügt wird, das auf gegenüberliegenden Seiten zwei schräge Schnitte ungleicher Länge aufweist. Im Vergleich zur Anplattveredelung bietet diese Methode eine größere mechanische Festigkeit. Dieses Verfahren wird bei Tischveredelungen (Zimmerveredelungen) angewendet, insbesondere für Buche und Nadelgehölze, sowie bei Freilandveredelungen für Buche und Rosskastanie.

In den Seitenschlitz unter die Rinde. Mit der Messerspitze wird an der Unterlage ein schräg zur Triebachse und parallel zu den Geweben verlaufender, ausreichend tiefer Einschnitt gemacht. In diesen Einschnitt wird das keilförmig zugeschnittene Ende des Edelreises eingefügt. Diese Methode ähnelt in der Ausführung der Spaltveredelung und ist nur bei dünnen Edelreisern geeignet. In den meisten Fällen wird sie bei der Veredelung von Nadelgehölzen angewendet.

Veredelung unter die Rinde

Dieses Verfahren wird angewendet, wenn sich die Rinde vom Holz löst, und entsprechend in der Zeit von April bis Juli oder bis August. In allen Fällen wird das Edelreis zwischen Rinde und Holz eingefügt.

Am Stammende der Unterlage. Rindenveredelung. An der Rinde der Unterlage wird ein langer gerader Schnitt gemacht, die Rinde vom Holz gelöst, in den entstandenen Raum wird ein Edelreis mit einem langen schrägen Schnitt eingefügt. Diese Methode wird angewendet, wenn die Unterlage dicker ist als das Edelreis. Sie wird im Freiland beim Umpfropfen von Bäumen genutzt.

Seitenveredelung an der Unterlage. In den Rindenschlitz. Ein Edelreis mit einem langen schrägen Schnitt wird in einen T-förmigen Rindeneinschnitt eingefügt. Diese Methode wird bei Tischveredelungen (Zimmerveredelungen) des Fächerahorns angewendet.

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