Rotschwingel ist ein mehrjähriges Rasengras. Er wächst auf tschernosemartigen alluvialen, Rasen-Podsol-, grauen podzolierten, sandigen Lehmböden, schwach salzhaltigen und anderen Böden. Er gedeiht gut auf entwässerten und kultivierten Torf- und Moorböden und wird erfolgreich zur Erstellung von Torfrasen verwendet.
Die besten Böden, auf denen Rotschwingel einen saftigen grünen Pflanzenbestand und eine feste elastische Narbe bildet, sind lockere, gut drainierte, humusreiche sandige Lehmböden und leichte Lehmböden.
Er bevorzugt Böden mit neutraler Reaktion, verträgt aber auch schwach saure und schwach alkalische Umgebungen an Standorten mit wechselnder Wasserversorgung. Wie das Wiesenrispengras hält er periodische Überschwemmungen aus.
Beschreibung und Merkmale
In der Steppen- und Waldsteppenzone ist Rotschwingel auf Rasenflächen weit verbreitet. Er zeichnet sich durch eine relativ hohe Lebensfähigkeit in verschiedenen ökologischen Lagen unter dem harten hydrothermischen Regime der Steppenzone aus.
Die Wachstumsrate ist mittel, die Entwicklung in den Beständen relativ langsam, was ein Zeichen für ihre Langlebigkeit ist. Charakteristisch für den Rotschwingel ist eine gemischte Erneuerung der Triebe, eine Kombination aus extra- und intravaginaler Verzweigung, wobei in lockerbüscheligen, rhizom-lockerbüscheligen und kompakt-büscheligen Populationen meist das eine oder das andere überwiegt. Die Rhizome werden extravaginal gebildet, die kompakten Büschel an den Enden der Rhizome bestehen aus intravaginalen Trieben.
Rotschwingel zeichnet sich durch eine hohe Triebbildungsenergie aus. Die vegetative Erneuerung verläuft sehr intensiv, besonders in den ersten Lebensmonaten. Ein dichter Pflanzenbestand in Zierrasen bildet sich bereits am Ende des ersten Vegetationsjahres – 146 Triebe pro 1 dm2, am Ende des zweiten – 188 und am Ende des dritten – 251. In schattigen Parkrasen ist der Bestand lichter, aber ausreichend geschlossen – 76 Triebe pro 1 dm2 im ersten Lebensjahr und 104 Triebe im zweiten.
Für den Übergang zur Fruchtbildung müssen im Aussaatjahr am Haupttrieb der Pflanze mindestens acht Blätter entfaltet sein. Die Samenproduktivität der Triebe verschiedener Ordnungen hängt vom Entwicklungsgrad der Pflanzen im Aussaatjahr ab: Bei Individuen mit 8–10 Blättern an der Hauptachse sind im folgenden Jahr die Triebe erster und zweiter Ordnung am produktivsten; bei Individuen mit 11 Blättern und mehr sind die Triebe dritter und vierter Ordnung produktiver. Dies ermöglicht es, den Ertrag unter Produktionsbedingungen in gewissem Maße vorherzusagen.
Es ist die recht hohe potenzielle Fruchtbarkeit dieses Grases zu erwähnen. Die absoluten Werte der Reproduktionsfähigkeit dieser Pflanze hängen in erster Linie von den ökologischen Bedingungen ab. Ein deutlicher Rückgang (um das 2,5- bis 3-fache) wurde bei fehlender Bewässerung festgestellt. Der Ertrag von Rotschwingel steigt erheblich, wenn er in isoliert wachsenden Büschen von 60 × 60 cm angebaut wird. Auch die Samenmasse verändert sich.
Es ist die hohe Widerstandsfähigkeit des Rotschwingels gegen Rost und Mehltau zu beachten. Wie der Wiesenschwingel hat er eine ebenso hohe Winterhärte und Beständigkeit gegen Spätfröste. Das Gesagte gibt Anlass, ihn für Rasenflächen mit breitem ökologischem und nutzungsbezogenem Spektrum zu empfehlen.
Für die Samenproduktion sollte der Rotschwingel in der Steppenzone in reinen, ungedeckten Saaten mit einem Reihenabstand von 50–60 cm angebaut werden. Dies ermöglicht mehr fruchttragende Triebe und verlängert die Nutzungsdauer für die Samengewinnung auf 3–5 Jahre.
In den meisten Gebieten der Steppenzone ist der beste Aussaatzeitpunkt für die Samengewinnung der frühe Frühling, in feuchten Jahren der frühe Sommer, damit sich das langsam wachsende Gras gut bestocken und kräftigen kann. In diesem Fall erhält man im zweiten Jahr einen vollwertigen Samenertrag.