Der Vorteil der Vermehrung in Gewächshäusern ist, dass weniger Kosten für die Montage der Anlage anfallen, der Pflegeprozess einfacher ist und die Kontrolle erleichtert wird. Für bestimmte Arten ist der Nachteil der Vermehrung, dass die Stecklinge direkt nach der Bewurzelung ohne allmähliche Abhärtung ins Freiland gepflanzt werden müssen.
Nicht verholzte Stecklinge erleiden bei einem plötzlichen Wechsel der Bedingungen einen Schockzustand, wodurch die Wurzelmasse fast abstirbt. Bei ungünstiger heißer und trockener Witterung kann dies zu großen Ausfällen führen, selbst wenn später im Freiland eine gute Bewässerung vorhanden ist. Um dies zu vermeiden, werden sie oft in Kunststoff- oder normale Kisten sowie in Töpfe gepflanzt, in denen sie nach der Bewurzelung vor dem Auspflanzen ins Freiland eine Abhärtungsphase durchlaufen können. Diese Anbaumethode ist jedoch sehr arbeitsintensiv.
Auf keinen Fall dürfen die Stecklinge nach der Bewurzelung längere Zeit dem Nebel ausgesetzt bleiben, da dies zu massiven Ausfällen führen kann, die zum Teil durch das Auswaschen von Nährstoffen erklärt werden.
Alte Frühbeete (Konstruktionen mit geringem Raum zwischen Boden und Glasabdeckung) eignen sich gut zur Bewurzelung unter Feinsprühbedingungen. In diesem Fall ist eine allmähliche Abhärtung möglich. Die Stecklinge können bis zu einem günstigeren Pflanzzeitpunkt in den Frühbeeten belassen werden. Bei einigen Gehölzarten wie Weigelie, Hortensie, Hartriegel und Duftjasmin ist es sogar sinnvoll, die jungen Pflanzen ein Jahr lang in den Vermehrungsbeeten zu belassen, um sie dann direkt zu pflanzen.
Allerdings müssen sie mit größeren Abständen gepflanzt werden, was von ausreichend großen Vermehrungsflächen abhängt. Nachteile der Vermehrung in solchen Frühbeeten sind das erforderliche komplexe Rohrsystem, die hohen Montagekosten und die wesentlich schwierigere Überwachung. In diesem Fall ist unbedingt die Installation von Sprühdüsen erforderlich, die einen kreisförmigen Sprühnebel in einer horizontalen Ebene erzeugen, wobei das Wasser nicht auf die Rahmenverglasung gelangt (Schraub-, Bogen- und Reflektorsprüher).
Für die Vermehrung eignen sich auch Folientunnel, die aus Segmenten bestehen. Nach der Bewurzelung der Stecklinge und der Abhärtung können solche Tunnel leicht an einen anderen Ort versetzt werden, während die jungen Pflanzen quasi sofort im Freiland bleiben. Bei der Montage der Tunnel ist auf eine gute Verbindung der Segmente zu achten. Die Vorbereitung der Beete ist sehr einfach, da sie im Freiland erfolgt. Lange, frei über das Gestell gespannte Folienabdeckungen sind ungeeignet, da unter ihnen die Kontrolle des Prozesses schwierig ist.
Über den Vermehrungsflächen können auch Folienzelte, zum Beispiel mit den Maßen 4,5×24 m, aufgestellt werden. Nach der Bewurzelung der Pflanzen kann das Zelt abgenommen und über einer anderen Fläche aufgestellt werden.
Methoden der weiteren Anzucht von Stecklingen
Nach den Methoden der weiteren Anzucht von Stecklingen können alle Arten in 3 Gruppen eingeteilt werden.
1. Sorten, deren Stecklinge nach der Bewurzelung weiter in Töpfen kultiviert werden. Es empfiehlt sich, sie in Gewächshäusern zu pflanzen, die mit Anlagen zur Feinsprühbewässerung ausgestattet sind. Nach dem Pflanzen werden sie unter Glas gehalten.
2. Sorten, deren Stecklinge bald ins Freiland pikiert werden, mit dichter Anordnung auf Beeten oder einfach in Reihen. Ihre Vermehrung erfolgt in Gewächshäusern, Frühbeeten sowie in Folientunneln.
3. Sorten, die man ein Jahr lang am Standort wachsen lässt und danach in der Ruhephase ins Freiland pflanzt. Hierfür eignen sich zur Vermehrung Anzuchtbeete, Folientunnel oder -zelte. Die Vorteile dieser Methode sind die Reduzierung des Arbeitsaufwands bei der Kultur nach der Bewurzelung und die Verringerung der Verluste beim Umpflanzen.