Viele bemerken seltsame grau-grüne Wucherungen auf der Baumrinde. Sind das Schädlinge oder harmlose Nachbarn? Muss man sie bekämpfen? Wir klären, was mit Flechten zu tun ist.
Trotz der Namensähnlichkeit haben Flechten nichts mit der gleichnamigen Krankheit bei Tieren und Menschen zu tun. Es sind einzigartige Lebewesen, die aus einer Verbindung zweier Organismen bestehen: Pilzfäden und einzelligen Algen (oder Cyanobakterien).
Der Pilz sorgt für die feste Struktur und den Schutz vor Austrocknung, die Algen — für die Ernährung, da sie zur Photosynthese fähig sind. Obwohl Flechten nach der Klassifikation zu den Pilzen gehören, funktionieren sie im Wesentlichen wie winzige Ökosysteme.
Sie haben keine Wurzeln: Die gesamte Feuchtigkeit und die notwendigen Mineralstoffe nehmen sie mit ihrer gesamten Oberfläche aus Regen, Nebel und Staub auf. Die organischen Stoffe — sind ein Produkt der Algen. Dank dieser Struktur können Flechten dort leben, wo andere Pflanzen nicht überleben: auf Felsen, Dächern, altem Holz. Auch auf der Rinde lebender Bäume.
Wenn die Bedingungen ungünstig werden — zum Beispiel zu trocken —, fällt die Flechte in eine Art Winterschlaf, trocknet aus und kann nach Wochen oder sogar Monaten wieder «erwachen». Sie sind wahre Überlebenskünstler!
Inhaltsverzeichnis:
Wie viele gibt es und welche kommen auf Bäumen vor?
Weltweit sind mehr als 26.000 Flechtenarten bekannt. Auf einem einzigen Baum können sich problemlos bis zu 10 verschiedene Arten friedlich nebeneinander ansiedeln!
Einer der häufigsten Gäste in unseren Gärten — die Parmelia sulcata. Diese Flechte bildet charakteristische Rosetten auf der Rinde alter Bäume. Jungen Bäumen ist sie nicht «gewachsen» — ihre Rinde ist noch zu glatt und erneuert sich schnell. Doch alte, rissige Rinde — ist der ideale «Wohnraum» für diese Art. Zudem fühlt sich Parmelia sulcata auch auf toten Ästen, Holzzäunen und sogar Hauswänden wohl.
Eine weitere verbreitete Flechtenart — die Xanthoria parietina. In diesem Fall spricht der Name für sich: Sie ist ein häufiger Gast in Form von Bewuchs auf verschiedenen Gebäuden und auch auf Rinde. Nicht selten kommen beide genannten Flechtenarten gleichzeitig auf Rinde und Gebäuden vor.
Muss man Flechten entfernen?
In den meisten Fällen — nein. In der Natur leben Bäume über Jahrzehnte hinweg problemlos mit Flechten zusammen. Im Gegenteil, Forscher haben herausgefunden, dass Flechten den Baum schützen, indem sie die Rinde vor Überhitzung bei heißem Wetter und vor Frostrissen im Winter bewahren.
Aber wenn man sich trotz allem unbedingt von diesen Wucherungen befreien möchte — ist das nicht schwer.
Der effektivste Weg ist die mechanische Reinigung. Es ist wichtig, vorsichtig vorzugehen, um die zarte junge Rinde unter der alten Schicht nicht zu beschädigen. Andernfalls könnten an den beschädigten Stellen Wunden entstehen, in die leicht Sporen parasitischer Pilze eindringen können.
Flechten lassen sich am besten mit einer Bürste mit weichen Holz- oder Nylonborsten entfernen. Metallschaber und harte Bürsten sollten nicht verwendet werden. Behandeln Sie die Rinde nach der Reinigung mit einer 5%igen Eisenvitriollösung (Verhältnis: auf 10 Liter Wasser kommen 500 Gramm Pulver).
Eine solche Lösung wird nur bei massiver Ausbreitung von Flechten verwendet, wenn sie den Baum tatsächlich am «Atmen» hindert. Wichtig ist, dass die Lösung nicht auf junge Pflanzenteile gelangt, da sie dort Verbrennungen und Austrocknung verursacht.
Wie kann man ein erneutes Auftreten verhindern?
Eine gute Vorbeugung ist das Tünchen von Stämmen und Skelettästen, das im späten Herbst durchgeführt wird. Die Tünche kann im späten Winter aufgefrischt werden, besonders wenn es ein Tauwetter gab. Aber denken Sie an einen wichtigen Punkt: Junge Bäume mit dünner Rinde dürfen nicht getüncht werden! Dies kann zu verstopften Poren, gestörtem Gasaustausch und sogar zu Rindenverbrennungen führen.
Tünche selbst gemacht: ein bewährtes Rezept.
Wenn Sie keine fertige Tünche kaufen möchten, können Sie sie selbst herstellen. Mischen Sie:
● 2–3 kg frisch gelöschten Kalk,
● 150 g Kupfervitriol,
● 10 l Wasser.
Diese Lösung schützt hervorragend vor Pilzen und Schädlingen und verhindert übrigens auch das Wachstum von Flechten.
Flechten sind keine Feinde, sondern eher Nachbarn, die dort leben, wo andere bereits keinen Platz mehr finden. Manchmal zeigen sie uns, dass der Baum mehr Pflege und Aufmerksamkeit braucht.
Schaden oder Nutzen
Es ist wichtig zu verstehen: Flechten schaden dem Baum nicht. Sie ernähren sich nicht von seinen Säften, dringen nicht tief in die Rinde ein und beeinträchtigen das Wachstum nicht. Der Baum ist für sie nur eine Stütze, ein Lebensraum.
Ihre Anwesenheit kann jedoch viel über den Baum selbst verraten. Wenn die Rinde alt, rissig und mit vielen trockenen Stellen ist, werden Flechten sie gerne besiedeln.
Mit anderen Worten: Eine Fülle von Flechten deutet eher auf das Alter des Baumes oder seinen geschwächten Zustand hin, als dass sie die Ursache für Probleme ist.