Von Säulenapfelbäumen haben wohl schon alle gehört. Aber nur wenige entscheiden sich, sie anzubauen. Und das ist durchaus verständlich. Solche Bäume erfordern eine besondere Pflege: regelmäßiges Gießen, Düngen, Kronenbildung. Doch die Mühe lohnt sich: Die kompakten Apfelbäume erfreuen Sie bereits im 3.–4. Jahr nach der Pflanzung mit einer reichen Ernte. Wir erklären, woher die Säulenäpfel stammen, ihre Vor- und Nachteile sowie die Besonderheiten der Pflege.
Inhaltsverzeichnis:
Was sind Säulenapfelbäume
Säulenapfelbäume — ein natürlicher Klon mit praktisch fehlenden Seitenästen. Äußerlich ähnelt ein solcher Baum einer schlanken Säule oder einer Miniaturpyramide: Der Stamm ist dicht mit Blättern und Früchten bedeckt, und der Abstand zwischen den Knospen ist relativ gering. Die Besonderheit der Säulenapfelbäume besteht darin, dass Blüte und Fruchtbildung an kurzen Zweigchen — den Ringelsporen — stattfinden. Es entsteht der Eindruck, als ob die Äpfel direkt am Stamm wachsen.
Herkunft der Säulenapfelbäume
Die Geschichte der Säulenapfelbäume beginnt im Jahr 1964 im kanadischen Ort Kelowna (Provinz British Columbia). Die Züchter wurden von einer spontanen Mutation an einem 50-jährigen Apfelbaum der Sorte «McIntosh» (McIntosh) angezogen: Ein Zweig unterschied sich von den anderen. Er war dicker als die anderen, ohne Seitenverzweigungen, mit reichlicher Fruchtbarkeit. So eine unerwartete Überraschung der Natur!
Dieser einzigartige Zweig wurde zum Ausgangspunkt für die Züchtung von Säulenapfelbäumen. Die ursprüngliche Mutationsform wurde «Wijcik McIntosh» genannt, genau sie bildete die Grundlage für die weitere Selektion. Die ersten Exemplare von Säulenapfelbäumen wurden bis zum Jahr 1976 gezüchtet.
In Russland wurde W. W. Kitschina zum Pionier in der Züchtung von Säulensorten. Im Jahr 1972 gelangte der Pollen der Sorte «Wijcik» ins Land, der mit der heimischen Sorte «Koritschnoje polosatoje» gekreuzt wurde.
Die biologische Grundlage der Säulenform ist das Vorhandensein eines speziellen Gens Co. In Abhängigkeit von der Wuchsstärke werden die Säulenhybride in 5 Gruppen eingeteilt:
- Superzwerge;
- Zwerge;
- Halbzwerge;
- mittelhohe;
- starkwüchsige.
Vorteile von Säulenapfelbäumen
Säulenapfelbäume haben eine Reihe von Vorteilen, die sie für Gärtner attraktiv machen. Vor allem zeichnen sie sich durch ihre Kompaktheit aus: Solche Bäume benötigen nur sehr wenig Platz, lediglich 0,5 bis 1 Quadratmeter pro Pflanze, was sie zur idealen Wahl für kleine Grundstücke macht. Trotz ihrer geringen Größe zeigen die Apfelbäume eine hohe Ergiebigkeit: Von einem Baum können 10 bis 15 Kilogramm Äpfel geerntet werden, und der Ertrag in Eimern beträgt 1 bis 1,5 Eimer – ein recht beeindruckendes Ergebnis für eine so kleine Pflanze.
Ein weiterer unbestreitbarer Vorteil ist die Zierde von Säulenapfelbäumen. Diese Bäume tragen nicht nur Früchte, sondern dienen auch als Gartenschmuck. Besonders eindrucksvoll sind sie während der Blüte- und Fruchtzeit, wenn der Stamm dicht mit Blüten oder reifen Äpfeln besetzt ist.
Zu den Vorteilen zählt auch die Frostbeständigkeit der Säulensorten. Dank der Verwendung winterharter Unterlagen trotzen diese Apfelbäume erfolgreich rauen Klimabedingungen – einige Varietäten vertragen Temperaturen von bis zu -38 °C und sogar darunter.
Säulenapfelbäume zeichnen sich außerdem durch eine hohe Immunität gegenüber verschiedenen Krankheiten und Schädlingen aus. Sie sind resistent gegen verbreitete Probleme wie Schorf, rotblättrige und rote Blutlaus. Einige Sorten zeigen Widerstandsfähigkeit gegen Oidium, was die Pflege erheblich erleichtert.
Und schließlich darf man die Frühfruchtbarkeit nicht unerwähnt lassen: Säulenapfelbäume tragen bereits im 3. bis 4. Jahr nach der Pflanzung Früchte, in manchen Fällen kann die Fruchtbildung sogar im Pflanzjahr beginnen. Der anfängliche Ertrag beträgt 2 bis 3 Kilogramm Äpfel, danach steigt die Produktivität allmählich an.
Dank der kompakten Baumform werden landwirtschaftliche Maßnahmen und die Obsternte erheblich vereinfacht.
Darüber hinaus zeichnen sich Säulenapfelbäume durch Schattentoleranz aus – sie werfen so gut wie keinen Schatten, was ein wichtiger Faktor für kleine Gartenflächen ist.
Nachteile von Säulenapfelbäumen
Allerdings haben Säulenapfelbäume auch ihre Nachteile. Vor allem sind es die hohen Kosten für Setzlinge.
Zu erwähnen ist auch die kurze Lebens- und Fruchtzeit: Im Gegensatz zu gewöhnlichen Apfelbäumen, die 30 bis 50 Jahre leben und Früchte tragen können, bleiben Säulensorten nur etwa 15 Jahre produktiv, danach sinkt der Ertrag drastisch.
Um einen mit herkömmlichen Sorten vergleichbaren Ertrag zu erzielen, sind deutlich höhere Investitionen erforderlich – es müssen wesentlich mehr Säulenapfelbäume pro Flächeneinheit gepflanzt werden.
Und hier ist, was Sie bei der Pflege von Säulenapfelbäumen beachten sollten:
- regelmäßiges Gießen aufgrund des oberflächlichen Wurzelsystems;
- systematische Düngung, da das intensive Wachstum und die Fruchtbildung die obere Bodenschicht schnell erschöpfen;
- Anlegen von Winterschutz, insbesondere für junge Pflanzen;
- Kronenformung durch Beschneiden der Seitentriebe;
- Installation von Stützkonstruktionen, um ein Umfallen der Bäume bei starkem Wind zu verhindern.
Ein weiterer Nachteil ist die Empfindlichkeit gegenüber niedrigen Temperaturen, insbesondere bei niedrigwüchsigen Sorten.
Die Sortenvielfalt bei Säulenapfelbäumen ist im Vergleich zu herkömmlichen Sorten noch begrenzt, was die Auswahl für Gärtner einschränken kann.
Bei den meisten Säulenapfelsorten sind die Früchte eher klein – das Gewicht übersteigt selten 100 Gramm.
Schließlich kann man beim Kauf von Pflanzmaterial auf Schwierigkeiten bei der Auswahl hochwertiger Setzlinge stoßen – nicht selten werden unter dem Namen Säulenapfelbäume Pflanzen verkauft, die auf eine Zwergunterlage veredelt wurden.
Besonderheiten der Pflege und Schädlingsbekämpfung
Ein recht typisches Problem für Apfelbäume im Frühjahr ist die Schädigung der Endknospe durch den Knospenrüssler. Gegen diesen Schädling werden die Behandlungen im zeitigen Frühjahr, in der Zeit von der Phase 'grüne Kuppe' bis zum Beginn des Stadiums 'rotes Mausohr', bei stabilen Lufttemperaturen über +6…+8 °C, unbedingt vor der Blüte durchgeführt. Dazu werden die Präparate Decis, Karate Zeon, Fastac, Actara, Mospilan, Confidor eingesetzt. Für die Zukunft sollte man einen solchen Schutz rechtzeitig einplanen, da es jetzt bereits zu spät für eine Behandlung ist.
Der Säulenapfelbaum wächst anders als ein gewöhnlicher Apfelbaum. In der Regel entwickelt er sich fast zu einem einzigen Stamm. Aber selbst wenn der Endtrieb beschädigt ist, stellt der Baum sein Wachstum nicht ein. Statt der verlorenen Spitze beginnen sich meist ein oder mehrere Seitentriebe zu entwickeln. In der Folge beginnt der Apfelbaum in der oberen Kronenpartie stärker zu verzweigen. Das ist natürlich, und in einer solchen Situation ist es wichtig, das Wachstum der Pflanze rechtzeitig zu lenken.
Gegen Anfang des Sommers muss aus allen neuen Trieben ein besonders kräftiger und senkrecht wachsender ausgewählt werden – er wird zum neuen Mitteltrieb. Die übrigen Triebe werden eingekürzt, wobei an jedem 2–3 Knospen belassen werden. Besonders aufmerksam sollte man die Spitze bei jungen Bäumen beobachten, da gerade sie die charakteristische Säulenform bewahrt.
Es ist auch zu bedenken, dass sich verschiedene säulenförmige Sorten selbst ohne Beschädigung des Mitteltriebs unterschiedlich verhalten. Bei manchen bilden sich Seitentriebe aktiver, bei anderen ist die Seitenverzweigung deutlich schwächer ausgeprägt. Daher kann sich die Wuchsform selbst bei säulenförmigen Apfelbäumen desselben Typs erheblich unterscheiden.
Wenn es wichtig ist, die klassische säulenförmige Form zu erhalten, werden im Frühjahr, vor dem Austrieb, die überflüssigen Seitentriebe unbedingt eingekürzt. Meist schneidet man sie zurück und lässt an der Basis 2–3 Knospen stehen. Gelegentlich wird auch ein Abkneifen der zu stark wachsenden Triebe durchgeführt, um deren Entwicklung zu bremsen. Der Mitteltrieb wird dabei nicht beschnitten, da er die Form des Baumes bestimmt.
Auch eine freiere Anbaumethode ist möglich, bei der die Seitenäste kaum eingeschränkt werden. Dann nimmt der Apfelbaum nach 5–6 Jahren das Aussehen eines kompakten, fast zwergwüchsigen Baumes mit einer kleinen Krone an, meist etwa 1,5 m im Durchmesser.