Während die Okulation nur in den Sommermonaten durchgeführt wird, erfolgt die Veredelung am Stamm der Unterlage ausschließlich im Winter oder Frühling. Diese Art der Veredelung hat den Vorteil, dass im Frühling im Jahr der Durchführung die vom Kunden gewünschte Sorte veredelt werden kann.
Dabei wird die Okulation in der Baumschule vor Ort durchgeführt, die Veredelung am oberen Teil der Unterlage — in den entsprechenden Räumlichkeiten in den Wintermonaten.
Besonderheiten der Winterveredelung von Obstbäumen
Die zu veredelnde Sorte muss sich in der Ruhephase befinden. Besondere Aufmerksamkeit sollte dem Zustand des Edelreises und der Vorbereitung der Stecklinge gewidmet werden.
Die Stecklinge der gewünschten Sorte werden im Dezember, möglichst vor dem Einsetzen strenger Fröste, geschnitten. Zu spät geschnittene Edelreis-Stecklinge garantieren kein gutes Wachstum. Die Stecklinge müssen gesund und ausgereift sein, und ihre Dicke sollte möglichst der Dicke der Unterlage entsprechen. In jungen Mutterpflanzgärten, insbesondere bei Kirschen, sind die Triebe oft sehr dick und daher für die Gewinnung wenig geeignet.
Die geschnittenen Stecklinge werden zu Bündeln gebunden. Beim Binden ist darauf zu achten, dass die Enden aller Stecklinge auf gleicher Höhe sind, was Aufmerksamkeit erfordert. Wenn einige Stecklinge zu weit oben im Bündel liegen, besteht die Gefahr des Austrocknens, da sie bei der Lagerung keinen guten Kontakt zum Substrat haben. Die Bündel sollten nicht zu tief in das Substrat gesteckt werden, da der im Substrat befindliche Teil des Stecklings nicht für die Veredelung verwendet werden kann.
Die Lagerung der Stecklinge sollte nach Möglichkeit an einem kühlen, aber nicht zu feuchten oder zu trockenen Ort erfolgen. Geeignet sind Räume, in denen sie bis Anfang oder Mitte Mai in der Ruhephase gehalten werden können, ohne dass sie austrocknen. Zur Lagerung eignen sich Kühlschränke gut, aber auch in diesem Fall ist ein Anhäufeln in das entsprechende Substrat erforderlich.
Je nach Wetterbedingungen kann mit der Winterveredelung bereits im Januar begonnen werden. Bei einem so frühen Termin besteht jedoch das Risiko großer Verluste, da strenge Fröste im Februar und März zum Stillstand der Verwachsungsprozesse und damit zum Austrocknen der Veredelungen führen können. Besser ist es, Ende des Winters zu beginnen.
Die Veredelung beginnt man mit Kirschen, gefolgt von Pflaumen, Sauerkirschen, Birnen und Äpfeln. Nach einem langen Winter mit einem plötzlich einsetzenden Frühling kann der Beginn des Triebwachstums nicht verhindert werden, auch wenn dies wahrscheinlich nicht zu einer Verschlechterung des Zusammenwachsens der Komponenten führt.
Methoden der Winterveredelung
Die häufigste Methode — die Kopulation. Sie wird bei gleicher Dicke der zu veredelnden Komponenten angewendet. Das Zusammenwachsen ist umso besser, je länger und sorgfältiger der Schnitt an beiden zu veredelnden Teilen ausgeführt wird. Sowohl an der Unterlage als auch am Edelreis sollte der Schnitt gegenüber einer Knospe liegen.
Die verbesserte Kopulation (mit Zunge) ist eine Variante der einfachen Kopulation, die jedoch eine bessere Verwachsung garantiert. Durch die Zungen an Unterlage und Edelreis wird eine festere Verbindung gewährleistet und die Verwachsungszone vergrößert. Während bei der einfachen Kopulation sofort gewickelt wird, können die Arbeitsschritte bei der verbesserten Kopulation getrennt werden. So kann die Zeit des Veredlers besser genutzt werden, insbesondere wenn genügend Arbeitskräfte zum Anbinden zur Verfügung stehen.
Die Geißfuß-Veredelung wird angewendet, wenn die Unterlage dicker als das Edelreis ist. Dabei ist es wichtig, gleichlange Schnitte zu machen, damit der keilförmig zugeschnittene Edelreis nicht zu tief im dreieckigen Ausschnitt der Unterlage steht. Auf der Rückseite des Keils muss sich eine Knospe befinden. Auch bei dieser Veredelungsmethode ist es möglich, die Arbeiten von Veredler und Anbinder getrennt durchzuführen.
Bei allen diesen Veredelungsmethoden werden die Edelreiser rechtzeitig im Raum geschnitten. Sie werden in Stücke mit 3–5 Knospen geteilt. So wird das Austreiben aus drei Augen gewährleistet. Wenn als Wickelband Kunststofffolie verwendet wird, ist zu beachten, dass die Knospe auf der dem Schnitt gegenüberliegenden Seite unter diesem Wickel in der Regel abstirbt und nur selten nach dem Entfernen des Wickels einen Trieb entwickelt.
Unmittelbar nach der Veredelung wird der Wickel angebracht, am besten mit einem Band aus Kunststofffolie. Durch das Mikroklima unter einem solchen Wickel verläuft die Kallusbildung besser, und das Triebwachstum beginnt schneller als bei Verwendung von Bast oder anderem Wickelmaterial, das nicht dicht anliegt. Der Wickel wird jedoch zum üblichen Zeitpunkt entfernt.
Auch bei der Verwendung von Folienband müssen alle nicht vom Wickel bedeckten Wundstellen an Unterlage und Edelreis mit Baumwachs bestrichen oder gestrichen werden. Die sorgfältige Ausführung dieser Arbeiten entscheidet oft über den Erfolg der Veredelung; eine Nachkontrolle wird empfohlen. Die genannten Veredelungsmethoden werden im Winter durchgeführt. Für ihren Erfolg sind geeignete Unterlagen erforderlich.
Nach der Veredelung durch einfache oder verbesserte Kopulation werden die Unterlagen eingelagert, um sie bei günstigen Bedingungen ins Freiland zu pflanzen. Die rechtzeitige und sorgfältige Durchführung aller Arbeiten garantiert den weiteren Anbauerfolg.
Der Vorteil der Winterveredelung ist die kurze, meist einjährige, allenfalls zweijährige Dauer der Anzucht von Veredelungen. Die richtige Standortwahl, gute Pflege und die Möglichkeit einer Zusatzbewässerung sichern den Erfolg.