Feines Straußgras (Haar-Straußgras) ist eine Gräserkultur, die relativ wenig Ansprüche an die Bodenfruchtbarkeit stellt, wächst auf armen Torfböden und sauren Böden mit einem pH-Wert von 4–4,5, bevorzugt aber nährstoffreiche Wiesen- und Waldsteppen-Lehmböden sowie ausgelaugte Schwarzerden mit einem pH-Wert von 6–7,5.
Beschreibung und Merkmale
Feines Straußgras ist ein kurzrhizomiges, niedriges, fakultativ halbhohes Gras. Die Halme sind 15–50 cm hoch, bogenförmig oder knieförmig aufsteigend, manchmal aufrecht, an der Basis verzweigt, rund und glatt.
Die Blätter sind hellgrün, dünn, mit einer gerillten Oberfläche, 4–6 cm lang und 2–4 mm breit. Verkürzte vegetative Triebe und der Großteil der Grundblätter befinden sich in einer Höhe von 6–25 cm. Es wächst in kleinen Horsten oder Büscheln, die durch intravaginale Verzweigung der Triebe mit verkürzten Internodien entstehen. Auf gemähten Rasenflächen bildet es eine intensiv grüne, dichte und unkrautresistente Grasnarbendecke.
Die Frühjahrsvegetation des Feinen Straußgrases beginnt in der dritten Märzdekade bis zur ersten Aprildekade, die Bestockung setzt nach 20 Tagen ein, das Schossen erfolgt Anfang bis Mitte Mai, das Rispenschieben Ende Mai bis Anfang Juni, die Blüte in der zweiten Junidekade, die Samenreife in der zweiten Julidekade, der Samenfall dauert 10–15 Tage.
Feines Straußgras gehört zu den mittelfrühen Gräsern. Die Blüte erfolgt in den Nachmittagsstunden (von 14 bis 16 Uhr). Die Rispe ist während der Blüte und Fruchtbildung ausgebreitet, 3–15 cm lang und 1,5–6 cm breit. Die Ährchen sind einblütig. Die Hüllspelzen sind violett, seltener grünlich. Die Frucht ist eine eiförmige Karyopse, braun, 1–1,75 mm lang und 0,3–0,4 mm breit. Die Samenmasse ist hellgrau, glänzend und rieselfähig.
Die Samenkeimfähigkeit bleibt 3–6 Jahre erhalten. Bei günstigen Witterungsbedingungen erscheinen die Keimlinge in der Regel am 9.–14. Tag, die Bestockung erfolgt einen Monat nach dem Auflaufen.
Die projizierte Deckung der durch den Grasbestand geschaffenen Rasenflächen beträgt bereits am Ende der ersten Vegetationsperiode 90 %, zum Zeitpunkt des ersten Mähens 60 %. Das Haar-Straußgras ist frosthart und widerstandsfähig gegen Spätfröste, trockenheitsresistenter als das Weiße Straußgras und reagiert gut auf Bewässerung und Düngung. Es ist eine vielversprechende Art für die Anlage von Rasenflächen mit breitem Nutzungs- und ökologischem Spektrum.
Die Anbautechnik für die Samengewinnung entspricht den für das Weiße Straußgras entwickelten Verfahren.