Es herrscht die feste Meinung, dass Frühkartoffeln überhaupt nicht für die Winterlagerung geeignet sind — nur Saatknollen eignen sich dafür. Angeblich seien frühe Kartoffeln dazu da, um schnell im Juli genossen zu werden, während der Gärtner im Winter nur späte Sorten verzehren sollte. Ist das tatsächlich so? Oder handelt es sich um einen weiteren Mythos?
Antwortet Agronom Peter Sinkowski:
— Dass Frühkartoffelsorten im Winter kaum gelagert werden, ist tatsächlich fast wahr. Die frühe Reife bringt eine Reihe von Problemen mit sich, die mit der Reifung der Knollen und ihrem Geschmack zusammenhängen. Der Geschmack und die Mehlioigkeit von Saatkartoffeln interessieren natürlich niemanden, aber gerade frühe Sorten verlieren diese schnell, daher entstand vermutlich die obige Überzeugung.
Für eine gute Reifung — und das ist die wichtigste Voraussetzung für eine gute lange Lagerung von Kartoffeln — werden 3-4 Wochen benötigt. Das heißt bei frühen Sorten entsteht eine natürliche zeitliche Differenz, die die ganze Sache verdirbt: Die Knolle ist in Ordnung, aber bis zur Einlagerung ist es noch weit.
Aber wie gesagt, wir haben es hier mit einer «fast» Wahrheit zu tun. Warum? Die Sache ist, dass die Lagerdauer auch durch die Lagerbedingungen bestimmt werden sollte. Große Bedeutung kommt der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit, der Qualität der Behälter usw. zu. Nun, Frühkartoffeln, im Gegensatz zu ihren späteren Verwandten, reagieren sehr empfindlich auf die Einhaltung dieser Faktoren. Aber nicht jeder schafft es, diese während der Lagerung einzuhalten. Schon allein aufgrund der Beschaffenheit des Lagers.
Unter sonst gleichen Bedingungen können diejenigen Gärtner Frühkartoffeln relativ erfolgreich für den Verzehr lagern, deren Keller sich in einer Tiefe von mindestens 2,8 Metern unter dem Bodenniveau oder tiefer befindet. Eine solche Tiefe, wie sich herausstellt, begünstigt ein optimales Temperaturregime, und die richtige Luftfeuchtigkeit ist dabei viel leichter aufrechtzuerhalten. Besitzer solcher Lager können sich den Luxus leisten, frühe Kartoffelsorten einzulagern, ohne sich Sorgen machen zu müssen, wie sie sich in Suppe und Püree verhalten. Die anderen müssen darauf verzichten. Oder sie müssen sich ein Lager in der angegebenen Tiefe bauen.