Der häufigste Fehler unerfahrener Hobbygärtner. Tipps, wie man einen «faulen Garten» anlegt.

Viele Gärtner träumen von Bäumen, die ohne ständiges Eingreifen Früchte tragen. Allerdings sollte man bedenken: Ein Baum, der ohne Schnitt gelassen wird, verliert schnell das Gleichgewicht zwischen Wachstum und Fruchtbildung. Nach einigen Jahren werden die inneren Zweige kahl, die Rinde altert und die jungen Triebe streben nach oben. Das Licht in der Krone nimmt ab, die Früchte werden kleiner, und der Zuckergehalt und die Dichte nehmen merklich ab.

Um dies zu vermeiden, empfehlen Experten, nicht gänzlich auf den Schnitt zu verzichten, sondern ihn durch eine schonende Formgebung zu ersetzen. Das sommerliche Abknipsen der Spitzen hilft, das Wachstum ohne Wunden zu bremsen, und ein leichtes Auslichten der Krone im Spätsommer verbessert die Farbe und den Geschmack der Früchte.

Für alte Bäume eignet sich eine allmähliche Höhenreduzierung — ein Verjüngungsschnitt auf Seitenäste. Ohne die Krone zu entblößen. Sie ermöglicht, die Krone ohne Entblößung und Stress zu erneuern.

Der Hauptfehler der meisten unerfahrenen Gärtner: den Schnitt als physische Entfernung von Ästen zu betrachten. Dies ist keine «Bestrafung» für den Baum, sondern eine Möglichkeit, die Energie dorthin zu lenken, wo sie gebraucht wird — in die Fruchtbildung. Wenn das Wachstum nicht eingeschränkt ist, fließen die Nährstoffe in das vegetative Triebwachstum und nicht in die Fruchtbildung. Richtig gewählte Abstände zwischen den Bäumen und eine ausgewogene Ernährung ermöglichen es, die Entwicklung ohne Säge und Gartenschere zu regulieren.

Was Sie beachten sollten, wenn Sie einen «Garten ohne Gartenschere» erhalten möchten

Für einen Garten, in dem der Schnitt auf ein Minimum reduziert ist, ist der Hauptfaktor — das Sonnenlicht. Die Krone sollte mindestens acht Stunden am Tag beleuchtet sein.

Starkwachsende Apfelbäume benötigen mindestens 6 Meter zwischen den Bäumen, mittelstark wachsende — etwa 4, Steinobstbäume — 5. Wenn man enger pflanzt, strecken sich die Pflanzen in die Höhe, verlieren Seitenäste und der Ertrag verlagert sich auf schwer zugängliche Spitzen.

Ein guter Richtwert: Mittags beschattet der Schatten eines Baumes nicht den Stamm des Nachbarbaums. Bei einer solchen Anordnung bilden die Bäume selbst ausgewogene Kronen und tragen gleichmäßig Früchte.

Alles entscheiden die ersten drei Jahre

Die Grundform des Baumes wird im jungen Alter angelegt. Wenn man von Anfang an die richtige Wachstumsrichtung vorgibt, wird der Baum danach jahrzehntelang keine «Operationen» benötigen. Der Abgangswinkel der Skelettäste sollte etwa 50-60 Grad betragen — dann verteilt sich der Saft gleichmäßig und der Baum schießt nicht in die Höhe. Dies kann man einfach bewerkstelligen: die Äste mit Spreizern fixieren. Ohne einen einzigen Schnitt entsteht eine harmonische Krone, die keine Korrekturen benötigt.

Wie sollte der Boden für einen «faulen Garten» sein?

Das Hauptgeheimnis eines Gartens ohne Gartenschere — sind nicht die Zweige, sondern der Boden.

Wenn der Boden lebendig und reich an Mikroflora ist, reguliert der Baum selbst Wachstum und Fruchtbildung.

Mulchen — die beste Methode, um das Leben unter der Krone zu erhalten. Eine Schicht aus Stroh, Laub oder Gras erzeugt natürlichen Humus, hält Feuchtigkeit und schützt die Mykorrhiza — das Pilzgeflecht, über das die Wurzeln Nährstoffe erhalten.

Oft versucht man durch Schnitt Fehler in der Pflege auszugleichen: Austrocknung, Stickstoffüberschuss, Störung der Bodenstruktur. Wenn alles  ausgeglichen ist, ist ein radikaler Schnitt fast nicht nötig.

Die Bewässerung sollte selten, aber tiefgründig sein. Besser zweimal pro Woche den Boden 40-50 cm tief durchfeuchten, als täglich die obere Schicht zu befeuchten. Oberflächliche Feuchtigkeit regt das Wachstum kleiner, schwacher Wurzeln und unnötiger Triebe an.

Ein nützlicher Trick ist der „Nährstoffkreis“: Am Rand der Krone (aber mindestens 1 m selbst bei jungen Setzlingen und 2 oder mehr Meter bei ausgewachsenen Bäumen) wird in 30 cm Tiefe um den Stamm herum Kompost, Mist, grob gehackte Zweige, Schalen, Stroh eingefüllt — die gesamte grobe organische Substanz, die allmählich verrottet und den Baum ernährt. Außerdem wird auf den Boden dieses Grabens je ein Literglas Holzasche ausgestreut, wobei der Boden des Grabens gleichmäßig damit bestäubt wird.

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Stickstoffüberschuss verursacht „Verfettung“ — der Baum wächst Zweige statt Früchte. Daher wird im natürlichen Garten die Ernährung auf Phosphor, Kalium und Spurenelemente verlagert. Bei Bedarf kann Stickstoff immer in Form von Flüssigdüngern zugeführt werden.

Im Frühling gibt man etwas Kompost oder verrotteten Mist, im Sommer — Ascheextrakt, Humate und Biopräparate.

Boden ohne Umgraben

Das Wurzelsystem des Baumes arbeitet in Symbiose mit Pilzen. Wenn man daher den Boden im Garten unter den Bäumen umgräbt (es reicht lediglich eine Lockerung von 2-3 cm, und selbst die ist nur nötig, wenn der Boden nicht mit Mulch bedeckt ist), zerstört der Gärtner seine  Struktur und vernichtet die Mykorrhiza. Ohne diese Symbiose verliert der Baum die Fähigkeit zur Selbstregulierung.

Viel effektiver ist es, die Baumscheiben jährlich mit Mulch aus Blättern, Stroh oder gemähtem Gras zu bedecken. Eine Schicht von 7-10 Zentimetern schafft ein stabiles Mikroklima und hält die Feuchtigkeit. Bereits nach ein paar Jahren bildet sich unter dem Mulch eine dichte Humusschicht, dank der der Baum gleichmäßig wächst und weniger Wachstumsstimulation durch Schnitt benötigt.

Wachstumssteuerung ohne Schnitt

Es gibt einfache Methoden, die es ermöglichen, die Wuchsrichtung ohne Säge und Gartenschere zu kontrollieren:

  • Herabziehen der Triebe näher zur Horizontalen mit Hilfe von Bindfaden oder Spanngurten;
  • Knipsen der Triebspitzen im Juli, wenn der Trieb noch  weich ist — ein leichtes Kürzen mit dem Nagel hemmt das Wachstum.

Diese Methoden sind besonders effektiv bei jungen Birnen- und Apfelbäumen: Sie ermöglichen es, die gewünschte Form ohne Verletzungen und Wunden zu erreichen.

Ansatz zur Schaffung eines «faulen Gartens» je nach Region

Im Norden besteht die Hauptaufgabe — darin, den Baum vor Frost zu schützen. Dort formt man niedrige Kronen nach Art einer Schale oder eines Busches, mit einer Höhe von nicht mehr als 2,5 Metern. Niedrige Bäume leiden weniger unter Wind und lassen sich leichter mit Schnee bedecken.

Im Süden hingegen wachsen die Bäume zu stark. Damit sie nicht in die Höhe schießen, pflanzt man besser Sorten auf mittelstarken Unterlagen und formt eine «lockere Pyramide» — mit drei bis vier Astetagen. Die übrigen Triebe werden beschattet und stellen das Wachstum ein.

Einheitliche Schemata gibt es nicht — in jeder Region gibt es eine eigene Strategie.

Welche Unterlagen wählen

Optimale Lösung für einen Garten mit minimalem Schnitt: mittelstarke Unterlagen: MM-106, 62-396, 54-118. Solche Bäume werden nicht höher als drei Meter, bringen einen guten Ertrag, sind frost- und dürreresistent. Bei ausreichender Beleuchtung kommen sie ohne jährliches Einkürzen aus.

Echte Zwerge (M-9, M-26) erfordern ständige Pflege. Ohne Schnitt vergreisen die Fruchthölzer, die Zweige brechen und die Krone wird zu dicht. Nach drei bis vier Jahren ohne Eingriff verwandelt sich ein solcher Garten in ein Gestrüpp.

Vorteil des «faulen Gartens»

Aus Sicht des Arbeitsaufwands ist ein Garten mit minimalem Schnitt viel einfacher zu pflegen. Der manuelle Arbeitsaufwand verringert sich um etwa ein Drittel. Allerdings nimmt die Bedeutung der Beobachtung zu: Man muss auf Licht, Feuchtigkeit und Bodenbeschaffenheit achten. Es ist keine schwere Arbeit, sondern systematische Beobachtung und Anpassung der Bedingungen. Bei richtiger Herangehensweise bringt ein solcher Garten 20–25 Jahre lang stabile Erträge ohne starken Rückschnitt. Anschließend lässt er sich leicht durch einen radikalen Rückschnitt in ein paar Saisons verjüngen.

Der Garten als lebendiges System

Der wahre «Garten ohne Baumschere» ist nicht die Verweigerung von Pflege, sondern das Ergebnis richtiger Agrartechnik: angemessene Pflanzabstände, Mulch, Tröpfchenbewässerung, Gründüngung, Formierung junger Triebe und das Auskneifen überflüssiger junger Neutriebe mit dem Fingernagel, bevor eine Schere oder Säge nötig wird.

Nur in einem solchen Garten wird der Mensch nicht zum Henker mit der Säge, sondern zum Partner der Natur — zu jemandem, der dem Baum hilft, statt ihn zu stören.

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