Ein bestimmter Teil der Gärtner nimmt unbedingt die Phase des Abreißens der Blüten in den mit Kartoffeln verbundenen Arbeitsplan auf. Der größere Teil hingegen hält diesen Vorgang für völlig unnötig und lässt ihn ruhig aus, mit dem Hinweis darauf, dass er weder die Anzahl der Knollen erhöht noch ihre Qualität verbessert. Wer hat nun recht und wer irrt sich? Wir klären das mit einem Experten.
Antwortet Agronom Peter Sinkowski:
— Mir persönlich erscheint dieses Problem recht konstruiert. Wenn es jemandem gefällt, die Blüten während der Kartoffelblüte abzureißen, dann soll er das tun. Das hat keinerlei Einfluss auf das Wachstum und den Ertrag. Es reicht aus, die Biologie der Kartoffel zumindest in erster Näherung zu kennen.
Die Sache ist die, dass die Knollenbildung BEGINNT, BEVOR sich Knospen am Kraut zeigen (und diese erscheinen je nach Sorte 40-45 Tage nach dem Auspflanzen der Saatknollen). Und diese Vegetationsstadien — und das sind genau Vegetationsstadien — verlaufen parallel, ohne sich gegenseitig zu beeinflussen.
Außerdem ist die Blütephase recht kurz, es gibt Sorten, bei denen sie nicht länger als einen, maximal drei Tage dauert, was wiederum für die grundsätzliche Nutzlosigkeit der Operation des Entfernens der Blüten spricht. Ich betone — weder auf die Menge noch auf die Qualität der Ernte hat dies Auswirkungen.
Und schon gar nicht sollten die Gärtner die Blüten abreißen, denen Experimente im Stil «selbst zum Züchter werden» nicht fremd sind. Neue Kartoffelsorten werden ja nicht auf der Grundlage von Knollen oder anderen Pflanzenteilen gewonnen, sondern gerade durch die Arbeit mit den Kartoffelfrüchten, die an der Oberfläche kleine Beeren sind, in denen wiederum die Samen enthalten sind, mit denen sich die Kartoffel in freier Wildbahn in guten alten Zeiten vermehrte, als niemand auf die Idee kam, nach ihren Wurzeln, also den Knollen, zu graben. Ich möchte daran erinnern, dass die Kartoffelaufstände seinerzeit wegen dieser Beeren entstanden — weil die Menschen dachten, man müsse genau diese essen, und sie sind bekanntlich bitter, geschmacklos und sogar ziemlich giftig.