Spätfrühlings- und Frühherbstfröste sind nicht nur ein Problem der nördlichen Regionen. Zwar in geringerem Umfang, aber lösen muss man sie auch im Süden und im klimatisch milden Europa.
Das Erwachen der Augen der Weinreben bei uns im europäischen Norden erfolgt Ende April bis Mai. Fröste treten jedoch auch Anfang Juni auf. Natürlich erholen sich die Rebstöcke allmählich, aber das bedeutet zusätzlichen Aufwand, Nerven und Arbeit für den Winzer. Und bei weitem nicht bei allen Sorten entwickeln sich fruchtbare Ersatzaugen, sodass ein Teil der Reben in diesem Jahr überhaupt keinen Ertrag mehr bringen wird.

Inhaltsverzeichnis:
Bewertung «Frostempfindlichkeit» oder welche Rebsorte am empfindlichsten gegen Frühlingsfröste ist
Die Anfälligkeit der Weinreben für Fröste hängt vom Entwicklungsstadium der Triebe ab.
- Gerade ausgetriebene Augen und Ansätze von Blütentrauben sterben bei -3 °C ab.
- Geöffnete Blüten halten bis -2 °C stand.
- Am Ende der Blüte ist Frost ab -1,5 °C kritisch: Aus solchen angefrorenen Blütenständen entwickeln sich keine Beeren mehr.
- Für die Fruchtansätze sind Fröste ab -1 °C schädlich.
Die Verluste hängen von der Höhe der Minustemperatur und der Dauer des Frostes ab. Windiges Wetter verstärkt die Kälteeinwirkung.
Manche Reben mögen äußerlich nicht erfroren sein, aber unter dem Einfluss selbst einer kurzen Kälteperiode stellen sie vorübergehend das Wachstum ein und verringern den Ertrag. Durch Fröste können junge Triebe der Weinreben absterben, sogar an nachlässig abgedeckten Rebstöcken.

auf dem Foto: ein Trieb der Weinrebe, der von einem späten Frühlingsfrost getroffen wurde.
5 beliebteste Methoden zum Schutz des Weinbergs vor Frühlingsfrösten
1. Räuchern des Weinbergs
Die Methode ist relativ einfach und billig. Wirksam bei Temperaturen nicht unter -4 °C.
Man legt Feuer auf der windabgewandten Seite des Weinbergs an – eines pro Ar. Wichtig ist, dass das Material glimmt und nicht schnell verbrennt.
Wenn Sie erkennen, dass eine Abkühlung unvermeidbar ist, sollten Sie das Feuer am Abend entzünden und großzügig anlegen, damit es in der Nacht nicht erlischt. In der Nacht wird das Feuer kontrolliert und mit Brennstoff ‚gefüttert‘.
Allerdings hat diese Methode einen Nachteil – bei starkem Wind ist der Rauch auf dem Grundstück schwer zu halten, und bei völliger Windstille, wenn der Rauch nach oben steigt statt sich zu verteilen, sinkt die Effizienz.
2. Beregnung des Weinbergs
In diesem Fall wird bei sinkender Temperatur über dem Weinberg fein Wasser versprüht. Hilft bei Frösten bis -5…-6 °C.
Diese Methode ist praktisch, wenn auf dem Grundstück eine stationäre Beregnungsanlage zur Bewässerung mit Sprühdüsen vorhanden ist. Für eine feine Zerstäubung empfiehlt es sich, spezielle Sprinkler zu verwenden, aber auch ein normaler Schlauch mit Düse ist geeignet. Die Bewässerung des Weinbergs beginnt 2–3 Stunden vor den erwarteten Frösten, in der Regel tief in der Nacht.
Der Effekt – Wasser gibt beim Gefrieren enorme Wärmemengen ab. Bei niedriger Temperatur verdunstet die Feuchtigkeit und erwärmt die Luft, sodass der Frost nicht zu den Reben absinkt.
3. Feuchtigkeitsspeichernde Bewässerung der Rebstöcke
Der Grundgedanke: Tagsüber, wenn die Lufttemperatur auf +10 °C sinkt, werden die Reben gut bewässert – 5 Eimer pro Rebe. Abends beginnt das Wasser aus dem erwärmten Boden zu verdunsten, warmer Dampf steigt auf und schützt die Reben vor dem Erfrieren. Hilft bei Frösten bis -5…-6 °C.
Der Effekt kann verstärkt werden, wenn nach dem Bewässern eine transparente Folie unter den Reben ausgebreitet und abends wieder entfernt wird. Der Boden unter der Folie erwärmt sich stärker, und die Verdunstung ist aktiver.
4. Wasserbecken zwischen den Rebstöcken
Sie werden zwischen den Reben aufgestellt. Der Sinn ist derselbe wie bei der vorherigen Variante – das Wasser verdunstet, die Temperatur in der Nähe der Reben steigt. Hilft bis -5 °C.
5. Blattdüngung des Weinbergs
Sie können im Frühjahr auf das junge Laub angewendet werden, sind aber besonders wirksam bei frühen Herbstfrösten.
Das Rezept ist einfach: 3 Esslöffel Doppelsuperphosphat in 1 Liter heißem Wasser auflösen und 3 Stunden ziehen lassen. Abseihen. Die erhaltene Lösung in 10 Liter Wasser verdünnen, 1 Esslöffel Kaliumnitrat hinzufügen. Die Pflanzen 10–20 Stunden vor dem Frostbeginn besprühen.
Bei einem unerwarteten Frost Kalium und Phosphor unter die Wurzel ausbringen. Am Morgen nach dem Frost die erfrorenen Pflanzen mit Zirkon oder Epin besprühen und vor der Sonne schützen.
Die Methode ist wirksam bei Temperaturen nicht unter -4…-5 °C.
Wie erfährt man, ob es in Ihrer Region Frost geben wird
Die Wettervorhersage kann man normalerweise über die nächstgelegene Stadt erfahren. Und das auch nur, wenn es dort eine Wetterstation gibt. Dabei kann die Temperatur selbst auf benachbarten Straßen eines Dorfes um 2-3 °C abweichen, zum Beispiel in einer Senke am Fluss und auf einem Hügel. Mithilfe von Hinweisen der Natur können Sie jedoch Frost auf Ihrem eigenen Grundstück vorhersagen – zwar nicht zu 100 %, aber zu 90 % sicher.
Bei windigem, bewölktem Wetter mit starkem Tau oder Regen sind Frostperioden unwahrscheinlich.
Wenn der Himmel tagsüber und am Abend klar ist und die Lufttemperatur positiv, aber niedrig bei etwa +1…+3 °C liegt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie nachts oder bei Sonnenaufgang unter Null fällt. Decken Sie die Weintrauben vorsichtshalber ab.