Russisches Roulette im Garten. Welche Kulturen überleben das Spiel mit dem Frost?

Nach einer ungeschriebenen landwirtschaftlichen Regel bringen Ende April und Mai oft wiederkehrende Kälteeinbrüche. In der Regel lässt die Natur nicht im Stich: Nach warmen und sonnigen Tagen kommen plötzlich Nachtfröste auf. Bei einer Temperatur von -5°C, die länger als 5 Stunden anhält, sterben Blüten und Fruchtansätze von Beeren-, Obst- und Gemüsekulturen unwiderruflich ab.

Kälterisiko

Frühjahrsfröste sind keine Seltenheit, sondern eher die Norm. Laut Experten kommt fast kein Frühling in der mittleren Region Russlands ohne kalte Nächte aus. Perioden mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt treten jedes Jahr auf, und wie gefährlich sie sind, hängt von mehreren Faktoren ab: der Entwicklungsphase der Pflanze, der Temperatur und vor allem der Dauer des Frostes.

«Wenn die Temperatur für nur ein paar Stunden auf -1°C sinkt, kann der Schaden minimal sein, besonders wenn es sich um vegetative Knospen handelt. Aber langanhaltende Fröste (auf 5–6 Stunden) können selbst bei denselben -1°C…-2°C ernsthaften Schaden anrichten. Und bei -7°C und darunter — überlebt nichts», — erklärt der Vorsitzende des Moskauer Gärtnerverbandes, Agronom Andrei Tumanow.

Wer ist gefährdet?

Wenn die nächtlichen Temperaturen wieder unter Null fallen und auch im Süden Russlands, wo bereits alles ins Freiland gepflanzt wurde, ein Kälteeinbruch vorhergesagt wird, sind als erstes die Gemüsekulturen gefährdet. Besonders empfindlich gegen Kälte sind Kürbisgewächse: Zucchini, Kürbisse, Patissons sowie Wassermelonen. Diese Pflanzen vertragen absolut keinen Frost — selbst kurzzeitige Minusgrade führen zum Absterben der Pflanzen.

Gleiches gilt für Nachtschattengewächse: Tomaten, Auberginen, Paprika. Ohne Abdeckung oder Gewächshaus überleben sie die Frühjahrsfröste nicht.

Was die Gartenkulturen betrifft, so besteht die größte Gefahr für sie in Frösten während der Blütephase. Gerade in dieser Zeit sind die Pflanzen am anfälligsten. Dabei ist es äußerst schwer vorherzusagen, wer betroffen sein wird: Sorten derselben Art können mit einem Unterschied von zwei Wochen blühen. Und wenn die einen dem Frost «entgehen», werden die anderen getroffen.

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Paradoxerweise können die wärmeliebenden Birnen dem Frost «entkommen». Sie blühen früher und vermeiden die nächtliche Kälte. Während die winterhärteren Apfelbäume, die später blühen, getroffen werden können.

«Das ist schon oft vorgekommen — gerade Apfel- und Kirschbäume litten unter den nächtlichen Minustemperaturen, trotz ihrer Widerstandsfähigkeit», — bemerkt Andrei Tumanow.

Es ist unmöglich, mit Sicherheit eine Kultur zu nennen, die zu 100% Frost überlebt. Ebenso kann man nicht sagen, dass eine bestimmte zum Scheitern verurteilt ist. Alles hängt vom Wetter, der Blütezeit und ein wenig — vom Glück ab. Es gibt jedoch Möglichkeiten, den Pflanzen zu helfen, die Kälte zu überstehen und die zukünftige Ernte zu bewahren. Darüber berichtete der Prüfer für Pflanzenschutz und -ernährung, Agronom Alexei Sotow.

Vor dem Frost: Pflanzen auf Stress vorbereiten

Um das Risiko zu minimieren, sollte der Garten rechtzeitig auf die Kälte vorbereitet werden.

«Führen Sie unbedingt eine gründliche Bewässerung mit einem Wurzelbildungsstimulator durch», — rät der Experte.

Bewässerung — das ist Wärmeschutz. Der Boden wird dichter und gibt die Wärme aktiver an das Wurzelsystem weiter. Die Bodentemperatur in der Tiefe liegt bei etwa +15°C, was deutlich wärmer ist als die Luft während des Frostes. Die lebendige, aktive Wurzel transportiert weiterhin Nährstoffe und Zucker über das Xylem (Stamm) und unterstützt so die Immunität der gesamten Pflanze. Darüber hinaus regen Wurzelbildungsstimulatoren das Wachstum von Seitenwurzeln an und erhöhen die Aufnahmefähigkeit des Wurzelsystems. Dies steigert nicht nur die Kälteresistenz, sondern legt auch den Grundstein für das spätere Erntewachstum.

Nach dem Frost: Pflanzen wiederbeleben

Eine erneute Bewässerung mit warmem Wasser und ein Wurzelbildungsstimulator helfen, das Wurzelsystem wiederzubeleben und die Bewegung von Zucker und Nährstoffen durch die Pflanzenzellen wiederherzustellen.

Ebenfalls wichtig ist eine Blattdüngung- Calciumnitrat + Bor + Ammoniummolybdat:

— Calcium (10 g/l) stärkt die Zellwände;

— Bor vergrößert die Blütengröße und die Anzahl der Fruchtansätze, hält Calcium im Gewebe zurück;

— Ammoniummolybdat lindert Stress, beschleunigt den Stoffwechsel und fördert das Wachstum der Blattspreite. Ein breites Blatt — das bedeutet eine Vergrößerung der Photosynthesefläche und der Chlorophyllproduktion, und somit auch der Energie für Erholung und Wachstum.

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