Viele Gärtner halten Regenwasser für nützlich und umweltfreundlich. Sie sammeln es sogar absichtlich in großen Fässern. Doch Experten warnen: Die Verwendung solchen Wassers zum Gießen von essbaren Pflanzen birgt Risiken.
«In solchem Wasser werden häufig bedingt pathogene Mikroorganismen nachgewiesen: Escherichia coli sowie Bakterien der Gattungen Pseudomonas und Bacillus. Sie gelangen nach Niederschlägen in die Behälter, wenn Staub, Schmutz und Vogelkot von Dächern, Luftkanälen und anderen Oberflächen abgewaschen werden, — erzählte die Gärtnerin Larissa Mikallef. — Solche Verunreinigungen können Pflanzenkrankheiten verursachen, ihr Wachstum verlangsamen und den Ertrag verringern. Darüber hinaus können die Bakterien bei ungekochtem Verzehr von Gemüse auch dem Menschen schaden.
Neben biologischen Gefahren ist Regenwasser auch chemischen Verunreinigungen ausgesetzt. In manchen Regionen werden darin Schwermetalle, Blei sowie persistente per- und polyfluoralkylierte Verbindungen (PFAS) festgestellt, die in der Natur nicht abgebaut werden und sich im Gewebe von Pflanzen anreichern können. Gelangen sie dann in den menschlichen Körper, verursachen solche Substanzen ernsthafte Gesundheitsprobleme.»
Auch ist zu bedenken, dass Regenwasser kaum Kalzium, Magnesium und andere lebensnotwendige Mineralstoffe enthält. Für Pflanzen bedeutet dies einen Mangel an Nährstoffen, für den Menschen — das Fehlen des angeblichen «Nutzens», der dem Regenwasser oft zugeschrieben wird.
Eine zusätzliche Gefahr stellt die Lagerung von Wasser in offenen Behältern dar: In solchen Bedingungen vermehren sich Bakterien und Algen aktiv und erhöhen die Infektionsrisiken noch weiter.
Dennoch ist es nicht zwingend erforderlich, ganz auf Regenwasser zu verzichten, betont die Expertin. Es kann durchaus nach einer Reinigung verwendet werden — durch Filtration, Abkochen oder Behandlung mit Zeolith-Sorbentien und Holzasche, die die bakterielle Belastung reduzieren.
Für Zierpflanzen hingegen ist das nach Regen gesammelte Wasser durchaus geeignet — wenn es in geschlossenen, undurchsichtigen Behältern an schattigen Plätzen gelagert wird. Experten empfehlen zudem, Behälter mit Filtern zu installieren, die Blätter, Vogelkot und andere Verunreinigungen zurückhalten. Dieser Ansatz ermöglicht es einerseits, die Gefahr für Pflanzen zu verringern, und andererseits, auf die gewohnte Praxis des Regenwassersammelns nicht zu verzichten.