Berichtetder Agronom Nikolai Pokora.
Inhaltsverzeichnis:
Wann und wie
Die Arbeiten beginnen mit den frosthärtesten Kulturen —Apfel- und Birnbäumen. Alte Bäume, besonders diejenigen, die reich getragen haben, sowie junge Setzlinge sind empfindlicher gegenüber Frost. Sie sollten später geschnitten werden, wenn die starken Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht verschwunden sind. Für den Schnitt sollte man einen sonnigen Tag wählen. Ideal — wenn kein Wind weht. Der Schnitt sollte bei einer Temperatur von nicht unter —5 Grad durchgeführt werden.
Kernobstkulturen
Apfel-, Birn- und Quittenbäume vertragen sogar einen starken Schnitt problemlos. Aber dennoch muss man bedenken, dass die Birne in dieser Liste empfindlicher ist. Bei jungen Apfelbäumen erfolgt ein Erziehungsschnitt, bei ausgewachsenen Bäumen — ein Verjüngungs- und Gesundheitsschnitt.
Steinobstkulturen
Wenn es um Steinobstsorten geht, ist der Ansatz hier etwas anders. Diese Bäume leiden häufiger unter Frost und Temperaturschwankungen, daher wird der Schnitt vorsichtiger und in einer bestimmten Reihenfolge durchgeführt.
Zuerst schneidet man normalerweise Kirsch- und Pflaumenbäume, dann geht man zu Süßkirschen und Aprikosen über. Der Pfirsich gilt als am empfindlichsten, daher lässt man ihn bis zuletzt — der Schnitt erfolgt erst näher an den warmen Tagen, wenn das Stadium «rosa Knospe» beginnt. In diesem Moment ist gut zu sehen, welche Zweige den Winter erfolgreich überstanden haben und welche erfroren sind und entfernt werden müssen. Dies hilft, die zukünftige Erntelast richtig zu verteilen.
Zierbäume und Sträucher
Der Februar eignet sich nicht nur für Obstkulturen. In dieser Zeit kann man sich auch mit Ziergehölzen beschäftigen.
Wenn die Kronen der Sträucher zu dicht sind, wird eine Auslichtung vorgenommen: Man entfernt nach innen wachsende Zweige sowie alte und kranke Triebe.
Aber man muss vorsichtig sein mit frühblühenden Kulturen wie Flieder oder Forsythie — bei ihnen werden die Blütenknospen frühzeitig angelegt, und ein starker Schnitt kann den Pflanzen die Blüte im Frühjahr nehmen.
Beerensträucher
Johannisbeeren, Stachelbeeren und Himbeeren reagieren im Winter positiv auf einen Verjüngungsschnitt. Daher wird empfohlen, alle alten, dicken Äste nahe der Bodenoberfläche zu entfernen sowie schwache Triebe und am Boden liegende Zweige zu beseitigen. Im Ergebnis sollten etwa 10–15 kräftige Triebe unterschiedlichen Alters übrig bleiben. Ein solcher Schnitt fördert eine hohe Fruchtbarkeit und ermöglicht es dem Strauch, über 15–20 Jahre hinweg produktiv zu bleiben.
Schutz
Alle großen Schnittwunden mit einem Durchmesser von mehr als 20 mm werden unbedingt mit Baumwachs oder Leinölfirnis verschlossen. Diese Behandlung schützt das Holzgewebe vor Feuchtigkeit und verringert das Risiko von Pilzinfektionen.
Wichtig zu beachten: Das Werkzeug muss:
- scharf geschliffen sein;
- sauber;
- desinfiziert sein.
Sägen, Gartenscheren und Messer sollten nach Möglichkeit mit Alkohol, Chlorbleiche (unverdünnt) oder einer dunklen Kaliumpermanganatlösung behandelt werden, besonders wenn Sie von einem Baum zum anderen wechseln.
Baumwachs
Ein unverzichtbares Hilfsmittel für den Winter- und Frühjahrsschnitt ist Baumwachs. Man kann es kaufen, aber viele Gärtner ziehen es vor, die Mischung selbst herzustellen. Dafür benötigt man:
- Kolophonium (für die Klebrigkeit);
- Wachs (für Witterungsbeständigkeit);
- Fett oder ausgelassenes Schweineschmalz (damit das Wachs nicht reißt).
Eines der einfachen Rezepte
Man nimmt zwei Teile Kolophonium und Wachs und einen Teil ungesalzenes Schmalz. Das Kolophonium wird zerkleinert und bei schwacher Hitze erwärmt. Dann wird das Wachs hinzugefügt und zum Schluss das Fett. Die Mischung wird etwa eine halbe Stunde lang unter ständigem Rühren gekocht.
Um das Wachs geschmeidiger zu machen, kann man etwas Pflanzenöl hinzufügen. Danach wird die Masse in ein Gefäß mit kaltem Wasser gegossen, abkühlen gelassen und mit den Händen zu einem weichen, plastilinartigen Zustand geknetet. Am besten wird das Wachs in Gläsern mit Deckel aufbewahrt.
Vor- und Nachteile
Gegen Ende Februar öffnet sich ein ideales ‚Zeitfenster‘ für den Baumschnitt. Die strengen Fröste lassen allmählich nach, und gleichzeitig sind es noch 3–4 Wochen bis zum Beginn des Saftflusses. Der Winterschnitt von Äpfel- und Birnbäumen hat seine Vorteile:
- gefrorene Äste lassen sich leichter entfernen, es ist weniger Kraftaufwand nötig;
- das Risiko von Rindenschäden ist minimal;
- das Fehlen von Blättern ermöglicht eine genauere Beurteilung der Krone und die Wahl des Schnittschemas;
- die Zahl der Schädlinge, die unter der Rinde überwintern, wird reduziert: Sie werden zusammen mit den abgeschnittenen Zweigen entfernt.
- Als Nachteil ist zu nennen, dass das Arbeiten bei frostigen Temperaturen unangenehm ist.
Übrigens
Der Winterschnitt — eine wichtige agrotechnische Maßnahme. Arbeiten Sie mit einem scharfen, sauberen Werkzeug, machen Sie sorgfältige Schnitte und übertreiben Sie es nicht. Ein fachgerechter Schnitt verlängert das Leben der Pflanzen und verbessert die Qualität der Ernte, ein falscher Schnitt — verringert die Produktivität und erhöht das Krankheitsrisiko.