Der wilde Vorfahre der Pflaume. Die einzigartigen Vorzüge der gewöhnlichen Schlehe

Über den Schlehdorn wird nicht oft gesprochen. Dennoch verpflanzen erfahrene Gärtner häufig wilde Sträucher, die an Waldrändern und in Senken außerhalb von Städten vorkommen. Und das tun sie vollkommen zu Recht. Wir erklären warum.

Was den Schlehdorn auszeichnet

Der Schlehdorn ist zwar im Gegensatz zur gewohnten Kulturpflaume keine Massenkultur, besitzt aber eine ganze Reihe einzigartiger Vorzüge. Er hat sich unter wilden Bedingungen entwickelt und zeichnet sich daher durch herausragende Winterhärte, Trockenheitstoleranz und die Fähigkeit aus, sich an die unterschiedlichsten Böden und Klimabedingungen anzupassen. Seine Früchte, wenn auch herb im Geschmack, eignen sich hervorragend für die häusliche Verarbeitung.

Ein Gärtner, der Geduld zeigt, kann aus Aussaat von Schlehdornkernen großfrüchtige Formen mit hohem Ertrag und minimaler Dornigkeit gewinnen. Solche Sträucher tragen sogar in Jahren Früchte, in denen die Kulturpflaume unter dem Erfrieren der Blütenknospen leidet. Schade, dass die züchterische Arbeit mit dem Schlehdorn in wissenschaftlichen Instituten nur begrenzt betrieben wird und Sortenpflanzmaterial die Hobbygärtner praktisch nicht erreicht. Meistens erhalten Gärtner Setzlinge von Nachbarn oder auf Märkten. Dabei ist es nicht immer möglich, den Sortenschlehdorn vom wilden zu unterscheiden. Daher ist der beste Weg, sich diese Kultur zuzulegen, sie in der natürlichen Umgebung zu suchen oder sich an botanische Gärten und spezialisierte Baumschulen zu wenden.

Der Schlehdorn als Unterlage und Hybridisierung

Interessant ist der Schlehdorn auch dadurch, dass er in der Züchtung als Unterlage für Pflaume, Kirschpflaume und sogar Aprikose verwendet wird. Auf seiner Basis wurden Hybriden geschaffen, zum Beispiel die bekannte 'Schlehenpflaume', die im Volksmund 'Schlehenpflaume' genannt wird. Es ist ein anspruchsloser Baum mit kleinen Früchten, der sich leicht durch Wurzelausläufer vermehrt und praktisch keine Pflege benötigt. Darüber hinaus stammen moderne Sorten der Hauspflaume von einer natürlichen Kreuzung des Schlehdorns mit der Kirschpflaume ab. Wissenschaftler haben dies durch Experimente nachgewiesen und dabei Hybriden erhalten, die vollständig mit der Pflaume identisch sind.

Biologische Merkmale

Der Schlehdorn gehört zur Familie der Rosengewächse, Gattung Prunus. Er ist einer der häufigsten wilden Vertreter der Gattung. Man findet ihn an Waldrändern, in Schluchten und Senken der mittleren und südlichen Regionen Russlands, im Kaukasus und auf der Krim.

Normalerweise wächst der Schlehdorn als dichter Strauch mit einer Höhe von 1,5–3 Metern. Er ist leicht an der dunkel­grauen Rinde, den runden Zweigen und dem reichen Wurzelausläufer zu erkennen. Die Blätter sind klein, elliptisch, auf der Unterseite leicht filzig. Er blüht im April-Mai, noch vor dem Laubaustrieb. Die Blüten sind roséweiß und werden hauptsächlich von Bienen bestäubt, daher ist der Strauch eine ausgezeichnete Bienenweide.

Die Früchte des Schlehdorns sind kleine, runde Steinfrüchte von dunkel­blauer bis fast schwarzer Farbe mit einem wachsartigen Überzug. Das Fruchtfleisch ist grünlich, süß-sauer und hat eine charakteristische Herbheit. Die Früchte reifen von August bis September. Der Ertrag eines ausgewachsenen Strauchs beträgt in der Regel 3–4 Kilogramm. Die Art zeichnet sich durch eine hohe Variabilität aus: Es gibt Zwergformen von nur 0,5 Metern Höhe und große Bäumchen. Sie unterscheiden sich im Verzweigungsgrad, in der Anzahl der Dornen, in der Größe der Früchte und Samen sowie in der Winterhärte.

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Kultivierung des Schlehdorns

Für die Kultivierung im Garten wählt man wildwachsende Exemplare mit großen Früchten und hohem Ertrag. Bewährt haben sich Wurzelausläufer von kultivierten Formen sowie Veredelungen. Der Schlehdorn wird auch durch Samen (mit obligatorischer Stratifikation) und Grünstecklinge vermehrt.

Die Pflanzung erfolgt im Frühjahr oder Herbst. Die Setzlinge sind anspruchslos und können fast ohne Pflege wachsen. Sie werden oft an der Grundstücksgrenze platziert oder für Hecken verwendet. In diesem Fall pflanzt man die Pflanzen dichter, im Abstand von etwa einem Meter. Für die Fruchtbildung sollte man 2–2,5 Meter zwischen den Sträuchern lassen.

Der Schlehdorn liebt sonnige Standorte, im Schatten trägt er weniger Früchte. Er ist trockenheitsresistent, aber im Süden ist eine Bewässerung im heißen Sommer vorteilhaft, sonst kann ein Teil der Ernte abfallen. In Zentralrussland ist eine zusätzliche Bewässerung in der Regel nicht erforderlich.

Nährwert und heilende Eigenschaften

Die Früchte des Schlehdorns enthalten Zucker (7–8%), organische Säuren (bis zu 3%), Gerbstoffe und Pektin. Vitamin C ist nur wenig enthalten, dafür übertreffen sie im Vitamin-P-Gehalt die schwarze Johannisbeere und nähern sich der Hagebutte an.

Dank der Tannine ist der Geschmack der Früchte herb, aber nach den ersten Frösten wird er milder und angenehmer. Im Volksmund wird der Schlehdorn oft erst nach dem Frost geerntet.

Frisch wird er nur begrenzt gegessen, dafür ist er in der Verarbeitung unersetzlich. Daraus werden Kompotte, Marmeladen, Gelee, Säfte, Soßen, Marinaden, Liköre und sogar Schlehenwodka hergestellt. In Frankreich werden unreife Früchte als Olivenersatz verwendet.

Die Samenkerne enthalten bis zu 37% fettes Öl sowie ätherische Verbindungen. Aus Früchten und Rinde werden Farbstoffe gewonnen, und in der Industrie werden sie zur Herstellung von Essig und Vitaminpräparaten verwendet.

In der Volksmedizin ist der Schlehdorn als adstringierendes Mittel bei Darmbeschwerden bekannt. Abkochungen aus Blüten und Blättern werden bei Erkältungen als Tee getrunken. Zweige und Wurzeln werden zur Stärkung des Organismus und als Farbstoffquelle verwendet.

Dekorativer und wirtschaftlicher Nutzen

Der Schlehdorn wird häufig für Hecken verwendet. Seine dichten, dornigen Sträucher bilden eine undurchdringliche Wand, die das Grundstück vor Wind und unerwünschten Besuchern schützt. Dank seines ausgeprägten Wurzelsystems festigt die Pflanze effektiv Schluchten und Hänge.

Der blühende Schlehdorn ist äußerst schön: Im zeitigen Frühling bedeckt er sich mit einer Wolke weiß-rosa Blüten, und im Herbst schmückt er den Garten mit dunklen Beeren. Zudem ist er eine ausgezeichnete Bienenweide.

Rezepte und praktische Anwendung

● Schlehenmarmelade wird nach klassischem Rezept zubereitet: Die Beeren werden mit Zucker bestreut und in mehreren Schritten gekocht, um das Aroma zu bewahren.

● Schlehenkompott hat eine schöne rubinrote Farbe und eine leichte Säure.

● Schlehensauce passt hervorragend zu Fleisch, besonders zu Wild.

● Tinkturen und Liköre werden wegen ihres intensiven Geschmacks und ungewöhnlichen Aromas geschätzt.

Außerdem werden die Schlehenblätter getrocknet und als Tee aufgebrüht.

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