Von Ende April bis Mai treten in Zentralrussland Nachtfröste auf. Dieses Phänomen kann Obstbäumen, Zierpflanzen und mehrjährigen Blumen schweren Schaden zufügen. Welche Temperaturen für Pflanzen kritisch sind und ob man sie vor der Frühlingskälte schützen kann — darüber sprach er mit der Leiterin der Abteilung für Biotechnologien am IATE NRNU MEPHI, Swetlana Afonina.
Welche Fröste können Obstbäume überstehen?
«Frühlingsfröste sind besonders gefährlich für die Blüten von Obstbäumen wie Kirsche, Apfel, Birne und Pflaume», erzählte Swetlana Afonina. «Ihre Empfindlichkeit hängt sowohl von der Sorte als auch vom Entwicklungsstadium ab. So kann beispielsweise eine dichte Knospe eine kurzfristige Abkühlung auf bis zu −3 °C überstehen, manche Sorten sogar bis −4°C. Das liegt an den schützenden Hüllen, die die inneren Organe der Blüte bedecken. Im Gegensatz dazu verliert die geöffnete Blüte diesen Schutz, und ihre zarten Strukturen (insbesondere Stempel und Staubblätter) werden bereits bei −1 °C, manchmal sogar bei −0,5 °C geschädigt. Wenn die Temperatur für mehrere Stunden unter −2 °C fällt, ist das Risiko eines totalen Ernteverlustes groß.»
Laut der Biologin ist eine Knospe deutlich widerstandsfähiger als eine geöffnete Blüte: «In der Knospe sind die Blütenorgane durch dichte Schuppen geschützt. Die geöffnete Blüte ist Wind und Frost ausgesetzt, und ihre zarten Gewebe sind nicht an die Kristallisation von Wasser in den Zellen angepasst. Selbst eine kurzfristige Eisbildung führt zum Platzen der Zellwände, was zum Absterben der Gewebe führt», erklärte sie.
Wie schützt man einen blühenden Baum vor Frost?
Swetlana Afonina erzählte von zwei wirksamen Methoden, um fruchttragende Bäume während der Frostperiode zu schützen: Wurzelbewässerung und Abdecken mit Vliesstoff (Spinnvlies).
«Wenn die Größe des Baumes es erlaubt, kann man Abdeckmaterial verwenden, aber das Gewebe sollte die Blüten nach Möglichkeit nicht direkt berühren. Besser ist es, Bögen oder Stützen zu verwenden, um so etwas wie ein Zelt zu schaffen. Alternativ kann man vor dem Frost eine Bewässerung durch die Wurzeln parallel zum Besprühen mit Wasser durchführen. Die Feuchtigkeit im Boden gibt nachts langsam Wärme ab und verringert so die Abkühlung der Luft in der Nähe des Baumes. Normalerweise werden etwa 3–4 Eimer Wasser pro Baum am Abend vor dem Frost ausgebracht. Der durch das Besprühen entstandene Eisfilm wärmt nicht nur, sondern hält auch die Temperatur um den Nullpunkt, was die Eisbildung in den Zellen verhindert. Und noch eine Möglichkeit ist das Räuchern, aber ich bin mir nicht sicher, ob diese Methode derzeit angewendet werden kann, da für Hobbygärtner strenge Brandschutzbestimmungen gelten», — riet die Expertin.